„Der Tod sitzt im Darm“


Keine Angst, vorliegende Ausgabe unserer Fakten wird sich nicht mit Reflexionen über dieses zugegebenermaßen stark abgelutschte Hippokrates-Zitat ergehen. Schließlich wird in der Paramedizin gerade der Darm häufig als „Spielwiese“ für allerlei zum Teil obskure Diagnose- und Therapiemöglichkeiten verwendet – einerseits. Andererseits lernen wir Mediziner zunehmend die komplexen Interaktionen zwischen Darm und einer Vielzahl von Organen kennen.
Dass dabei das Immunsystem und in der Folge die Autoimmunität eine wichtige Rolle spielen, lässt sich schon aus der Tatsache ableiten, dass im Darm buchstäblich Billionen von Keimen – in der Regel friedlich – Seite an Seite mit einer Vielzahl von Immunzellen leben.

Das Zusammentreffen von Nahrung, Bakterien und Immunsystem macht den Darm so einmalig.

Gerade in der Rheumatologie sind viele Zusammenhänge zwischen Darm und muskuloskelettalem System zum Teil seit Jahrhunderten bekannt. In diesem Heft bilden zahlreiche Beiträge den jetzigen Stand des Wissens ab. Es wird aber auch deutlich, wie viel an Forschung noch geleistet werden muss, um neue, sinnvolle diagnostische und therapeutische Möglichkeiten, auch auf diesem Gebiet, zu eröffnen.
Der Satz „Der Tod sitzt im Darm“ mag so also nicht richtig sein, der Satz „Es wird nichts so heiß gegessen wie gekocht“ aber auch nicht,

glauben zumindest

Kurt Redlich und Josef Smolen