FdR 04|2012

Herausgeber: o. Univ.-Prof. Dr. Josef Smolen

Editorial

  • „Der Tod sitzt im Darm“

    Keine Angst, vorliegende Ausgabe unserer Fakten wird sich nicht mit Reflexionen über dieses zugegebenermaßen stark abgelutschte Hippokrates-Zitat ergehen. Schließlich wird in der Paramedizin gerade der Darm häufig als „Spielwiese“ für allerlei zum Teil obskure Diagnose- und Therapiemöglichkeiten verwendet – einerseits. ...Weiterlesen ...

Focus: Gastrointestinale und rheumatologische Erkrankungen – eine Verwandtschaft?

  • Darmerkrankungen und Gelenke


    Gelenkmanifestationen bei Darmerkrankungen sind häufig und vielgestaltig (15–20 % der CED-Patienten). Chronische Störungen der Darmbarriere manifestieren sich an peripheren Gelenken und der Wirbelsäule.

    Akute infektiöse Darmerkrankungen zählen zu den klassischen Auslösern der reaktiven Arthritis.

    Ebenso zeigen viele „primär“ muskuloskelettale Erkrankungen Symptome und Pathologien der Darmschleimhaut. Diese sind bei M. Bechterew und PsA häufig.

    Präsumptive gemeinsame Pathogenese und daraus folgende gemeinsame Medikamententherapien, insbesondere mit den so genannten „Biologika“, bilden eine einigende Klammer von Gastroenterologie und Rheumatologie. Interdisziplinäre Kooperation ist notwendig.

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  • Die Pathophysiologie von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa


    Bei der Pathogenese von Morbus Crohn (MC) und Colitis ulcerosa (CU) wird von einem „Multi-Hit-Modell“ ausgegangen.

    Genetik: Für die Ausprägung einer CED dürfte nach derzeitigem Erkenntnisstand das Vorliegen mehrerer genetischer Risiko-Loci notwendig sein. Die einzige derzeit bekannte monogenetische Ursache für eine CED ist die IL-10-Defizienz.

    Umweltfaktoren: Typisch für CED ist ein Nord-Süd-Gefälle. Für die „Hygienehypothese“ spricht, dass bei Migranten nach Anpassung an den westlichen Lebensstil die Inzidenzraten gleich hoch sind.

    Dysbiose: Die Biodiversität der Mikroflora ist reduziert, eine Verschiebung zu Proteobacteria wird beobachtet.

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  • Immunsuppression bei chronischer Virushepatitis


    Die chronischen Hepatitiden B und C können beide in ihrer aktiven Form in ähnlicher Weise zum chronischen Leberschaden führen. Im Gegensatz dazu hat eine immunsuppressive Therapie je nach Form der Hepatitis unterschiedliche potenzielle Auswirkungen:

    Die Reaktivierung der chronischen Hepatitis B bei immunsupprimierten Patienten ist mit einem hohen Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko verbunden.

    Die Hepatitis C verläuft vergleichsweise benigne.

    Das Management sollte entsprechend den aktuellen Konsensusleitlinien der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) entsprechend der jeweiligen Ausgangskonstellation erfolgen.

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  • Was wünschen sich Rheumatologen von Gastroenterologen? Was wünschen sich Gastroenterologen von Rheumatologen?

    Univ.-Prof. Dr. Klaus Machold (Rheumatologe) und Univ.-Prof. Dr. Harald Vogelsang (Gastroenterologe) nehmen in Einzelinterviews zu den Herausforderungen in der Behandlung von CED-Patienten mit schweren Gelenkbeteiligungen sowie von SpA-Patienten mit Darmbeteiligung Stellung und erläutern Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Therapie sowie An liegen an die jeweils andere Fachrichtung.

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Wissenschaft aktuell

  • Die Rolle des Ultraschalls in der rheumatologischen Praxis


    Die Sonographie gewinnt in der Diagnostik und Aktivitätsbeurteilung von rheumatologischen Patienten zunehmend an Bedeutung.

    Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass die Sonographie vor allem bei klinisch unklaren Fällen und zur Remissionsbeurteilung der RA von besonderer Relevanz ist.

    Charakteristische Ultraschallbefunde ermöglichen eine spezifische Zuordnung bei verschiedenen Arthritisformen (Chon­drokalzinose, Gicht, Psoriasisarthritis etc.). Ein „Halo“, eine echoarme Verdickung der Gefäßwand, ist ein für Riesenzell­arteriitis typischer Befund. Die Speicheldrüsensonographie kommt bei Verdacht auf das Sjögren-Syndrom zum Einsatz.

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  • Rheumatisches Fieber – eine ausgestorbene Erkrankung?


    Die Diagnose des rheumatischen Fiebers, einer Streptokokken-Folgekrankheit, erfolgt nach den Jones-Kriterien (Hauptkriterien: Karditis, wandernde Arthritis, Chorea minor, Erythema marginatum und subkutane Knötchen). Die Arthritis sollte mit hohen ASS-Dosen behandelt werden.

    Zur Sekundärprävention neuer Schübe wird Penicillin über 5 Jahre bzw. bis zum 21. Lebensjahr gegeben. Nach durchgemachter Herzbeteiligung sollte die Prophylaxe lebenslang oder bis ins Erwachsenenalter erfolgen.

    Ob die vor Kurzem gelockerten Kriterien der Endokarditisprophylaxe zukünftig zu höheren Karditisraten führen werden, muss kritisch beobachtet werden. Wachsamkeit in der Diagnose des rheumatischen Fiebers ist nach wie vor geboten.

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  • Die Akutbegutachtungsambulanz


    An der klinischen Abteilung für Rheumatologie im Wiener AKH wurde 2007 eine Akutbegutachtungsambulanz etabliert. Die Wartezeit für eine Erstbegutachtung konnte auf 7 Tage verkürzt werden.

    Nach einer ca. 10-minütigen Erstbegutachtung erfolgt eine Triage. Patienten mit Verdacht auf RA, SpA oder Kollagenosen werden meist zur genauen Abklärung bzw. Behandlung an die rheumatologische Ambulanz überwiesen. Bei Patienten mit anderen entzündlichen und nichtentzündlichen Erkrankungen sowie Schmerzsyndromen erfolgt tendenziell eher eine Rücküberweisung in den niedergelassenen Bereich.

    Der Zugang ist niederschwellig. Dennoch weist der Großteil der Patienten immer noch eine Krankheitsdauer > 3 Monate auf. Das zeigt Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung, aber auch bei Zuweisern auf.

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