Osteoporose, Osteoarthrose und chronischer Rückenschmerz: Einschränkungen in den Aktivitäten des täglichen Lebens

Impairment in the activities of daily living in older adults with and without osteoporosis, osteoarthritis and chronic back pain: results of a population-based cross-sectional study

T. A. Stamm & J. S. Smolen1, K. Pieber & R. Crevenna2, T. Ernst Dorner3
1
Division of Rheumatology, Department of Internal Medicine III, Medical University of Vienna & Department of Health, ­University of Applied Sciences FH Campus Wien, Vienna, Austria;
2Department of Physical Medicine and Rehabilitation, Medical University of Vienna, General Hospital of Vienna, Austria; 3Institute of Social Medicine, Centre for Public Health, Medical University Vienna, Vienna, Austria

EULAR 2015, Abstract No. SAT0637-HPR

 

Muskuloskelettale Erkrankungen haben nicht nur für die betroffenen Menschen, sondern auch für die Gesellschaft schwerwiegende Folgen, da die betroffenen Personen dann meist mehr Versorgungsleistungen des Gesundheitssystems benötigen. Selbstständigkeit und Funktionsfähigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens sind dabei ein ganz wichtiger Aspekt. Wir haben daher Daten aus der populationsbasierten Gesundheitsbefragung von Statistik Austria hinsichtlich Funktionsfähigkeit und Aktivitäten des täglichen Lebens analysiert. Dabei wurden Personen mit Arthrose, chronischem Rückenschmerz und/oder Osteoporose mit Personen ohne diese Erkrankungen verglichen.

Datenbasis: 3.097 Patienten

Basierend auf den Daten von 3.097 Personen über 65 Jahre wurden deskriptive statistische Kennzahlen zu den Einschränkungen in den Aktivitäten des täglichen Lebens berechnet. Außerdem wurden binäre Regressionsmodelle mit folgenden abhängigen Variablen erstellt: 4 für diese Studie neu gebildete Dimensionen der Aktivitäten des täglichen Lebens (intensive „anstrengende“ Aktivitäten des täglichen Lebens, instrumentelle über die Basis-Aktivitäten des täglichen Lebens hinausgehende Aktivitäten, Basis-Aktivitäten des täglichen Lebens und handfokussierte Aktivitäten des täglichen Lebens), die Krankheitsbilder Arthrose, chronischer Rückenschmerz, Osteoporose sowie die Variablen Geschlecht, Ausbildungsniveau, Alter, Schmerzintensität und Ängstlichkeit, depressive Verstimmung und/oder Depression. Instrumentelle Aktivitäten sind z. B. Einkaufen, Umgang mit Geld und Hausarbeiten, die über die Basis-Aktivitäten des täglichen Lebens (z. B. Aufstehen, Anziehen, Köperpflege) hinausgehen.

Ängstlichkeit und Depression: größter ­Einfluss auf Funktionsfähigkeit

41,0 % der TeilnehmerInnen hatten Arthrose (29,4 % der Männer und 48,9 % der Frauen), 50,6 % hatten chronischen Rückenschmerz (49,3 % der Männer und 51,4 % der Frauen) und 18,4 % hatten die Diagnose Osteoporose (4,9 % der Männer und 27,9 % der Frauen). Nur 31,5 % der TeilnehmerInnen hatten keine dieser Erkrankungen. Die Aktivität des täglichen Lebens mit der größten angegebenen Rate an Problemen war „schwere Hausarbeiten erledigen“ (43,9 %), gefolgt von „hinunterbeugen oder hinknien“ (39,3 %), „hinauf und hinunter Stiegen steigen ohne Gehhilfe“ (23,1 %), und „500 Meter gehen ohne Gehhilfe“ (22,8 %). Der Faktor mit dem größten Einfluss auf Funktionsfähigkeit im täglichen Leben war Ängstlichkeit, depressive Verstimmung oder Depression.
Diese populationsbasierte Studie zeigt, dass Personen über 65 Jahre mit Arthrose, chronischem Rückenschmerz und Osteoporose massive Einschränkungen in den Aktivitäten des täglichen Lebens haben, obwohl sie die „normalen“ Versorgungsleistungen des österreichischen Gesundheitssystems erhalten. Mehr Aufmerksamkeit in der Therapie und Rehabilitation sollte dabei den Faktoren Ängstlichkeit, depressive Verstimmung und Depression zuteilwerden.
Integrierte Interventionen sind erforderlich, um die Probleme in den Aktivitäten des täglichen Lebens und die psychischen Begleiterkrankungen zu verbessern. Ältere Menschen mit Limitationen in den Aktivitäten des täglichen Lebens können von SpezialistInnen für Funktionsfähigkeit und Aktivitäten des täglichen Lebens wie z. B. Fachärztinnen und Fachärzten für physikalische Medizin und Rehabilitation und Ergotherapeutinnen profitieren.