Die Patientensicht als Maßstab

Parameter, die beispielsweise Mobilitätseinschränkung, Kontinenz und beliebig viele andere individuelle, patientenrelevante Situationen berücksichtigen, ermöglichen bessere Behandlungsentscheidungen.

Patient-reported outcome measures (PROMs) messen die Einschätzung des Gesundheitszustands eines Patienten, fördern eine patientenorientierte Behandlung in Ergänzung zu klinischen Informationen wie z. B. Labor­tests und können für klinische Entscheidungen (z. B. chirurgische versus nichtchirurgische Interventionen) herangezogen werden. Es ist unbestritten, dass das „Outcome“ ein für die Patienten relevanter Parameter sein soll und sein muss.
Die Verwendung von PROMs vor und während/nach einer Behandlung/Intervention zeigt Veränderungen auf der individuellen Patientenebene auf: z. B. verbesserte körperliche Funktionsfähigkeit, höhere Lebensqualität etc.
Dabei wird auch die Kommunikation zwischen Patienten und Arzt begünstigt und das Patientenmanagement verbessert.

In der klinischen Forschung und bei Zulassungsbehörden wird die Methode der Outcome-Messung unter Integration der Patientensicht zur Beurteilung der Wirksamkeit eines Medikaments, einer Operation oder anderen Interventionen seit Jahrzehnten diskutiert.

  • FDA: Die amerikanische Food and Drug Administration (Behörde für Lebens- und Arzneimittel) empfiehlt seit 2009 bei neuen Technologien, neuen Behandlungsmethoden oder neuen medizinischen Produkten die Erfassung von PROMs. 2010 hat der US-Kongress im Rahmen des Patient Protection and Affordable Care Act das Patient Centered Outcomes Research Institute (PCORI) gegründet. Das PCORI fördert patientenzentrierte Comparative Effectiveness­ Research (CER) – die Entwicklung von patientenzentrierten Methoden – und hat das National Patient-Centered Clinical Research Network ­PCORnet ins Leben gerufen.
  • OECD: Die OECD erhebt „Patient-reported indicators“, versucht zu standardisieren und zu analysieren (Patient Reported Indicator Survey [PaRIS]), um Daten unter den Ländern vergleichen zu können.In vielen Ländern (z. B. England, Schweden, USA) existieren bereits Standardsets zur routinemäßigen Erfassung von PROMs für verschiedene Behandlungsmethoden.
  • ICHOM (International Consortium of Health Outcomes Measurement): Eine Organisation mit Sitz in Boston/USA erarbeitet seit Jahren Standards für PROMs.
    Darunter finden sich jetzt schon für unser Fachgebiet relevante Fragebögen, die von ExpertInnen erarbeitet wurden – zum Beispiel im Bereich Schwangerschaft und Geburtshilfe.

Insgesamt ist das Fachgebiet der Frauenheilkunde noch unterrepräsentiert, die Eignung von PROMs sollte daher von den Fachgesellschaften weiter diskutiert werden. Hormonersatztherapie im Rahmen klimakterischer Beschwerden, Endometriose und Harninkontinenz wären möglicherweise lohnende Einsatzgebiete.

Das Monitoring mittels PROMs führt zu einer belegt höheren Patientenzufriedenheit, ein Umstand, der selbsterklärend ist, fühlt sich doch die Patientin durch die Zuwendung und Akzeptanz ihrer subjektiven Probleme deutlich besser in den Behandlungsprozess integriert. Durch die Möglichkeit, die standardisierten Tools elektronisch zu verwalten, könnten Kosten-Nutzen-Berechnungen, statistische Auswertungen (Qualitätssicherungen, Qualitätsverbesserungen, Screeningprogramme, Ländervergleiche etc.) zusätzlichen Nutzen schaffen, der für das nationale Gesundheitssystem einen Mehrwert haben könnte. Denn schlussendlich müssten ja entsprechende Ressourcen geschaffen werden, die dem Zeitaufwand der Implementierung in den Praxisalltag Rechnung tragen.

Mit kollegialen Grüßen, Dr. Michael Elnekheli

Ich freue mich wie immer über Ihre Kommentare und Anregungen

AutorIn: Dr. Michael Elnekheli

© Foto: Top-shootings


GA 03|2021

Herausgeber: em. o. Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Wien
Publikationsdatum: 2021-06-24