Ein unspektakulärer, zurückhaltender Start

Ein Kernpunkt der SV-Reform ist die Harmonisierung der Leistungen in allen Bundesländern (Patienten erhalten überall in Österreich für gleiche Beiträge die gleichen Leistungen).
Die Gesamtverträge werden künftig zwischen der Österreichischen Gesundheitskasse und der österreichischen Ärztekammer verhandelt und nicht wie bisher von den regionalen Krankenkassen mit den Landesärztekammern. Die Verträge können allerdings um regionale Zusatzverträge ergänzt werden, aber nicht von den Ländern, sondern ausschließlich von der ÖGK selbst.
Ein bundesweiter Gesamtvertrag für alle Ärzte entsteht daher nicht von heute auf morgen, vielmehr wirkt auch dieser Umstand einer Harmonisierung entgegen. Es ist unschwer auszumalen, wie in weiterer Folge der schwarze Peter zwischen Ärzteschaft und Sozialversicherung hin und her geschoben werden wird, dann aber mit tosender medialer Begleitung, wie wir sie noch nicht gekannt haben.

Nivellierung hat immer zwei Seiten: Als Arzt weiß man ohnedies nicht, ob man sich eine überregionale Leistungsharmonisierung unter den gegebenen Umständen wünschen soll, ist es doch trotz vieler Beteuerungen letztlich unklar, welches Mittelmaß herangezogen werden wird. Die Bandbreite des Durchschnittshonorars über alle Bundesländer ist so groß, dass es Gewinner und Verlierer geben wird, wenn die ÖGK die statistische Mitte für bevorstehende Verhandlungen anpeilt.
Ein weiterer Punkt, der nach Harmonisierung schreit, ist die Erstattung der Wahlarztkosten, die je nach Bundesland erheblichen Schwankungen unterliegt. Es wäre gut möglich, dass auch hier die Nivellierung mehr Verlierer als Gewinner schafft.

Der größte Merger, den die Republik je gesehen hat? Mit über 12.000 Mitarbeitern, einem jährlichen Umsatz von rund 15,7 Milliarden Euro und 7,2 Millionen Versicherten wird die SV-Reform zum Mega-Merger.
Bis dato war man eher damit beschäftigt, an der neuen Corporate Identity zu arbeiten, die erwartungsgemäß von den Kritikern der Fusion wegen der scheinbaren Unverhältnismäßigkeit der Kosten stark torpediert wurde. Radiowerbung, große Inserate in Tageszeitungen mit geringem Informationswert und nicht zuletzt hohe Kosten für den neuen Auftritt (allein die Umsetzung eines neuen Logos kostete bereits kolportierte 3,5 Millionen Euro) gaben Anlass zu medialer Auseinandersetzung. In weiterer Folge wird es allerdings darum gehen, die Versprechungen der letzten Regierung zu erfüllen. Wir erinnern uns an prognostizierte und selbst vom Rechnungshof bezweifelte Einsparungen in Milliardenhöhe, die den Versicherten zugutekommen sollen.

Mit kollegialen Grüßen

 

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AutorIn: Dr. Michael Elnekheli

Foto: Top-shootings


GA 01|2020

Herausgeber: em. o. Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Wien
Publikationsdatum: 2020-03-02