HPV-Impfung: besser eine schlechte als gar keine Lösung

Der Impfstoff wird im 2-Dosen-Schema (2 Teil­impfungen im Mindestabstand von 6 Monaten) zur Verfügung gestellt.
Der BÖG hat sich seit 2006 verstärkt für die Implementierung der HPV-Impfung eingesetzt und begrüßt die ministerielle Entscheidung, die nun spät und unter großem Druck erfolgt ist. Die geplante Umsetzung hat jedoch aus meiner Sicht einige Schönheitsfehler: Die Kohortenimpfung eines Jahrganges ohne „Catch-up-Programm“ ist aus zwei Gründen zutiefst minimalistisch. Da es sich um eine sexuell übertragene impfpräventable Infektion handelt, vergehen bei der Impfung von 9-Jährigen im Durchschnitt 7 Jahre bis zum sexuellen Debüt, womit ca. 9 Jahre vergehen werden, bis ein Effekt bei der Inzidenz von Kondylomen bemerkbar sein wird, und bei HPV-assozierten Dysplasien deutlich später. Eine Herdenimmunität als vakzinologisches Ziel rückt damit in eine fast unerreichbare Dimension. In Anbetracht der folgenden Kalkulation erscheint die Strategie als „Geizhalsaktion“, die eines reichen Landes nicht würdig ist.
Bei 100 % Teilnahme an der Gratisimpfung fallen für 150.000 Impfdosen ca. 6 Mio. Euro an, realistisch sind 3 Mio. bei 50 % Teilnahme. Ein Autobahnkilometer kostet vergleichsweise ca. 30 Mio. Euro (100 Meter = 3 Mio. Euro), 600 Meter Lawinenschutz entsprächen ebenfalls 3 Mio. Euro! Selbst bei Einschluss aller Jahrgänge bis zum 18. Lebensjahr würden die Kosten für einen Autobahnkilometer nicht erreicht werden!

 

Ankündigung

Quartalssitzung am 10. 10. 2013 ab 19.00 Uhr
Ort: Akademie für sexuelle Gesundheit AfsG,
Heiligenstädter Straße 50, 1190 Wien

AutorIn: Dr. Michael Elnekheli

GA 04|2013

Herausgeber: em. o. Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Wien
Publikationsdatum: 2013-09-27