Von der Vision zum Tun

Manchmal sitzen Glaubenssätze unserer Patientinnen so tief, dass es Anstrengung braucht, sie in ein zeitgemäßes Bild zu verwandeln. Einer dieser Glaubenssätze lautet: „Ich gehe zum Frauenarzt, um einen Krebsabstrich zu machen.“ Weil das nicht ganz falsch ist und Frauenärzte tatsächlich bei jeder Gelegenheit – auch wenn der Konsultationsgrund ein gänzlich anderer war – Abstriche von der Portio machen, glauben mitunter nicht nur die Patienten, sondern auch die Ärzte selbst an diese Berufung, obwohl es nur der kleinste Teil ihrer Tätigkeit ist. Eine jährliche Gesundenuntersuchung beim Allgemeinmediziner hat eine größere, umfassendere Bandbreite, die klarer kommuniziert wird als die „gynäkologische Gesundenuntersuchung“. Letztere wartet seit Jahren auf eine entsprechende Propagierung.

Denken – Reden – Tun: Im standespolitischen Denken und Reden gab es immer schon die ungeborene Idee, das Image des holistisch denkenden Frauenarztes in die Öffentlichkeit zu tragen, aber im Tun angekommen ist die Vision kaum. Es braucht ein aufbauendes Marketing und vor allem KollegInnen, die diese Vision im täglichen Arbeiten vertreten.
Jetzt scheint es neuen Schwung für einen alten Plan zu geben.

#trustyourgyn ist eine Initiative, die gerade aus der Taufe gehoben wurde – von Menschen denen man Eigeninteresse kaum unterstellen kann. Vorsorgebewusste, Betroffene, Angehörige von Betroffenen und zahlreiche Prominente sind hier auf einer Plattform vertreten, die natürlich von feinster wissenschaftlicher Expertise getragen wird. Selbstverständlich wird hier die gute Sache von vielen Seiten unterstützt, Berufsverband (BÖG), Ärztekammer, Petrol Ribbon etc.

 

 

So eine Chance kommt nur einmal: Wir sollten die mediale Aufmerksamkeit, die hier entsteht, dringend und rasch nützen, weil erfahrungsgemäß der Wind schnell abflaut. Bitte werfen Sie einen Blick auf die Seite der Kampagne www.trustyourgyn.at und verstärken Sie die Botschaften in den Ordinationen.
So könnte es gelingen, die jährliche Gesundenuntersuchung in ihrer gesamten Vielfalt beim Gynäkologen auch in Zeiten von HPV-Impfung und HPV-Testung in eine gute und sichere Zukunft zu tragen.

Mit kollegialen Grüßen, Dr. Michael Elnekheli

Ich freue mich wie immer über Ihre Kommentare und Anregungen: office(at)mein-frauenarzt.at

AutorIn: Dr. Michael Elnekheli

GA 01|2019

Herausgeber: em. o. Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Wien
Publikationsdatum: 2019-02-21