Die Geschichte der Asthmakontrolle

Asthma bronchiale war eine gefürchtete Erkrankung, an der noch in den 1950er-Jahren Menschen bei Asthmaanfällen verstarben! Grund dafür war der Mangel an wirksamen Asthmamedikamenten.
Die Pathophysiologie von Asthma bronchiale wurde jahrzehntelang nicht richtig verstanden, wodurch auch die Therapieansätze litten. Zu den ersten Substanzen zählten starker Kaffee und Tee, woraus die Ära des Theophyllins hervorging. Wie rezente Studien aber zeigen, ist diese Substanz wenig wirksam. Der erste Durchbruch war die Verwendung von inhalativen Betamimetika, mit anfangs unselektiven Substanzen, gefolgt von unseren heutigen selektiven Beta-2-Mimetika. Kurz vor den 1990er-Jahren wurden langwirksame Beta-2-Mimetika auf den Markt gebracht, die heute den State of the Art der Behandlung des Asthmas darstellen.
Der wesentlichste Schritt in Richtung Asthmakontrolle war und ist die Behandlung der dem Asthma zugrunde liegenden bronchialen Inflammation. Obwohl Asthma eine heterogene Erkrankung ist, beruhen praktisch alle Asthmaformen auf einer Typ-2-Inflammationsreaktion. Diese lässt sich wirkungsvoll mit Kortison behandeln.
Die ersten Therapieansätze mit systemischen Steroiden waren wirksam, aber mit den steroidtypischen Nebenwirkungen behaftet. Der eigentliche Durchbruch kam in den 1970er-Jahren mit der inhalativen Gabe von Beclometason. Inzwischen ist die Gabe von Kombinationspräparaten, bestehend aus einem langwirksamen Beta-2-Mimetikum und einem inhalativen Glukokortikoid, die State-of-the-Art-Therapie, die sowohl fix als auch bei Bedarf gegeben werden kann (SMART, Single Inhaler Maintenance And Reliever Therapy). Leider bestehen bis heute zumeist unbegründete Ängste vor den Nebenwirkungen der inhalativen Glukokortikoide, worunter die Therapieadhärenz leidet.
Anders sieht es bei der Behandlung von schwerem Asthma bronchiale aus. Hier ist durch die Einführung der Biologika ein Riesenschritt in Richtung Asthmakontrolle gelungen. In chronologischer Folge stehen uns humanisierte IgG-Antikörper gegen IgE (Omalizumab), gegen Interleukin 5/Interleukin-5-Rezeptor (Mepolizumab, Benralizumab, Reslizumab), gegen Interleukin 4/13-Rezeptor (Dupilumab) und gegen TSLP (Thymic Stromal Lymphopoietin; Tezepelumab) zur Behandlung unterschiedlicher Asthmaphänotypen zur Verfügung. Die hohen Kosten dieser Therapieformen werden durch die geringen Nebenwirkungsraten und die deutliche Reduktion der Hospitalisierungen wettgemacht.

Tab.: Geschichtlicher Überblick der Entwicklung der antiinflammatorischen und antiobstruktiven Therapie von Asthma bronchiale

Allergisches Asthma: Da ungefähr 50 Prozent des Asthmas allergischer Natur ist, bietet sich die allergenspezifische Immuntherapie als Therapieoption an. In Zeiten mangelnder Asthmakontrolle führte die Immuntherapie zu mitunter letalen Nebenwirkungen. Heutzutage kann man mit der antiinflammatorischen Therapie Asthmakontrolle erreichen und die Patient:innen weitgehend nebenwirkungsfrei therapieren. Somit gewinnt die spezifische Immuntherapie zunehmend an Bedeutung. Es erscheint auch realistisch, schwere allergische Asthmatiker:innen mittels Anti-IgE-Therapie so weit zu kontrollieren, dass man eine allergenspezifische Immuntherapie beginnen könnte. Somit hat diese kausale Therapie bei allergischem Asthma den Wandel von der Kontraindikation zur Indikation vollzogen.

Zusammenfassung: Die Entwicklung der antiinflammatorischen Asthmatherapie ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte der letzten 50 Jahre, die ein Höchstmaß an Beschwerdefreiheit und Lebensqualität ermöglicht.