Vienna Cancer Center (VCC): Kooperation zwischen KAV und AKH/MedUni Wien

Mit dem Vienna Cancer Center (VCC), einer Kooperation der Wiener KAV-Spitäler und der Universitätsklinik (MUW/AKH Wien) sollen die Wiener Spitäler künftig in Krebsforschung und onkologischer Versorgung an einem Strang ziehen. Der Forschungsstandort soll damit gestärkt, Know-how und Expertise gebündelt, der Zugang zu innovativsten Medikamenten über die breite Teilnahme an klinischen Studien forciert und damit die onkologische Versorgung der Wiener Krebspatienten noch weiter optimiert werden.
Profitieren sollen einerseits die Patienten, andererseits auch die Attraktivität des Forschungsstandortes Wien.

Gesundheitspolitische Hintergründe

Sandra Frauenberger, Wiener Gesundheitsstadträtin, betont vor allem die zukunftsweisenden Aspekte des Projektes: Durch das VCC soll Wiener KrebspatientInnen die bestmögliche onkologische Versorgung zur Verfügung stehen. Gleichzeitig gehe es darum, diesen Wissenschafts- und Forschungsstandort entsprechend auszubauen und auch nachhaltig zu stärken.
Pro Jahr erkranken in Wien etwa 7.100 Menschen an Krebs; bei einer immer älter werdenden Bevölkerung ist von einer weiteren Zunahme auszugehen. Die Stadt Wien sei sich ihrer Verantwortung bewusst, um die Weichen für eine optimale Versorgung in der Zukunft zu stellen, so Frauenberger.
Das VCC ist für sie ein einprägsames Beispiel dafür, wie Gesundheitsversorgung in einer Metropole in Zukunft strukturiert werden sollte. „Es geht darum, dass wir eine Konzentration der Kompetenzen und der Expertise sowie eine Intensivierung der Zusammenarbeit brauchen.“ PatientInnen sollen von der Spitzenmedizin des Forschungsclusters – gleichberechtigt und chancengerecht – profitieren. „Wir werden in den kommenden Jahren – nicht nur in der Krebsbekämpfung – einen enormen Fortschritt erleben, was Wissen, Entwicklung und Innovation betrifft. Es wird darum gehen, dass wir all diese Entwicklungen gut auf unseren Standort umlegen und das Angebot damit auch ausweiten und für die WienerInnen sichern können.“

 

 

„Kooperation ist evolutionärer Prozess“

Das Vienna Cancer Center schließt vorerst die internistisch-onkologischen Zentren von AKH/MedUni Wien sowie von fünf KAV-Häusern zusammen, inklusive Strahlentherapie. Im nächsten Schritt sollen nun auch die organ-onkologischen Fächer integriert werden. Zusätzlich konnten auch das Hanusch-Krankenhaus (Träger WGKK) und die Vinzenz Gruppe mit dem St.-Josef-Spital als Kooperationspartner gewonnen werden.
Wie Dr. Michael Binder, KAV-Bereichsleiter Medizin, erläutert, ist die Gründung des VCC für den KAV ein wichtiger Entwicklungsschritt. Gleichzeitig verweist er darauf, dass bereits in den letzten Jahren durch die forcierte Zusammenarbeit der einzelnen onkologischen Abteilungen wesentliche Fortschritte demonstriert werden konnten. Binder: „Eine Kooperation dieser Tragweite wird schließlich nicht von einem Tag auf den anderen gegründet. Das ist ein durchaus evolutionärer Prozess.“
So konnten in den letzten Jahren durch die verstärkte Zusammenarbeit der Abteilungen bereits viele Verbesserungen erzielt werden: Gemeinsam beschlossene Therapieschemata gewährleisten schon heute in allen Wiener onkologischen Abteilungen eine vergleichbare onkologische Behandlung. Ebenso sei ein niederschwelliger Zugang zu neuen (zugelassenen) onkologischen Therapien gewährleistet. Als ganz wesentlich bezeichnet Binder für die Zukunft, im VCC neben den therapeutischen Disziplinen auch die diagnostischen Disziplinen einzubinden.

Besseres Überleben in onkologischen Zentren

„Durch die mit dem Vienna Cancer Center verbesserte Zusammenarbeit profitieren PatientInnen im Rahmen von klinischen Studien direkt vom wissenschaftlichen Fortschritt“, betonte Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski, Leiter der Uniklinik für Innere Medizin I, AKH/MedUni Wien und Vorstand des Comprehensive Cancer Center (CCC). Anlog zum CCC (einem Verbund des AKH/MedUni Wien, der die klinischen, wissenschaftlichen und Lehrtätigkeiten im Bereich der Onkologie bündelt) soll mit dem VCC nun ein Cluster für ganz Wien etabliert werden. Orientiert habe man sich dabei am Konzept des National Cancer Institute der USA. Zielinski verweist auf Studien, die zeigen, dass Patienten, die in Zentren behandelt werden, auch von einer erheblich verbesserten Überlebenswahrscheinlichkeit profitieren.

 

 

Gemeinsame onkologische ­Therapiekonzepte

Als Ziele nennt Zielinski zum einen die Schaffung gemeinsamer Therapiekonzepte im Sinne einer qualitätsgesicherten Behandlung – eine Entwicklung, die man, wie auch Binder ausführte, im KAV bereits gegangen ist. Zielinski dazu: „Wir können heute schon sagen: Wer heute ein Spital der Stadt Wien aufsucht, kann sichergehen, in ähnlicher Weise behandelt zu werden wie in einem großen US-Zentrum.“ Gegenüber anderen Ländern komme in Wien ein weiterer Vorteil dazu, nämlich der Zugang zu neuesten Medikamenten, den die Stadt Wien ermögliche. In einem nächsten Schritt soll nun gewährleistet werden, dass jedem onkologischen Patienten in Wien auch eine idente Diagnostik ermöglicht wird, um daraus resultierend die zielgerichteten Therapieoptionen anbieten zu können.
Ein weiteres Ziel ist die optimale Nutzung der Ressourcen. Derzeit werden, so Binder, am AKH Wien und in den KAV-Häusern pro Jahr mehr als 31.000 onkologische Patienten behandelt. Der Zusammenschluss und die Gewährleistung gleicher Behandlungen sollen auch eine bessere Organisation der verfügbaren Ressourcen, z. B. freier Behandlungsbetten – damit letztlich unter Umständen auch einen noch rascheren Therapiebeginn –, ermöglichen. Zielinski: Ein Patient könnte dann, wenn an seiner „Mutter-Institution“ kein Bett frei wäre, an einer anderen aufgenommen werden.

 

 

Mehr klinische Studien, früher Zugang zu Innovationen

Zielinski ist zudem davon überzeugt, dass mit dem Vienna Cancer Center noch mehr und größere klinische Studien durchgeführt werden – nicht nur im AKH Wien, sondern in allen teilnehmenden Spitälern. Derzeit sind es rund 280 Studien im AKH und 20 in den KAV-Häusern. Durch die verstärkte Forschungsarbeit mit noch mehr Studien in den Spitälern außerhalb des AKH hätten alle Ärztinnen und Ärzte auf onkologischen Abteilungen die Möglichkeit, „an vorderster Front der wissenschaftlichen Entwicklung“ mitzuwirken. „PatientInnen bekommen nicht nur die modernste Medizin, sondern auch die Chance, die neuesten Therapien im Rahmen von klinischen Studien zu erhalten“, sagte Zielinski.
Schon jetzt erhalten Patienten, die in einem KAV-Spital behandelt werden, die modernsten – zugelassenen – Medikamente, wie Binder und Zielinski unisono betonen. Durch die Teilnahme an klinischen Studien könnte ein noch früherer Zugang zu innovativen – noch nicht zugelassenen – Substanzen ermöglicht werden.

 

 

Welche Art von Studien soll in den KAV-Häusern durchgeführt werden? Laut Zielinski sei hier ein stufenartiges Konzept angedacht: Entsprechend dem universitären Auftrag werde man am CCC im AKH verstärkt auf sogenannte First-in-man-Studien, d. h. Phase-I- und frühe Phase-II-Studien, fokussieren. Der Zugang zu Phase-III-Studien soll aber verbreitert werden, diese sollen forciert gemeinsam mit den KAV-Häusern durchgeführt werden.
Neben den direkten Vorteilen für Patienten und der Möglichkeit für KAV-Mitarbeiter, an Entwicklungen entscheidend mitzuwirken, könnten damit auch die Rekrutierungszahlen erhöht werden. Zielinski: „Dadurch wird Wien kompetitiver.“ Die Stadt Wien werde mit dem VCC zu einem der relevantesten Wissenschafts- und Forschungszentren Europas.
Last but not least erhofft man sich damit, auch zur Entscheidung der EMA, ihren Standort nach Wien zu verlagern, beitragen zu können.

 

Drucken
AutorIn: Susanne Hinger

Klinik 03|2017

Herausgeber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH
Publikationsdatum: 2017-07-03