Neuroimaging in der Epileptologie: Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft

Mit einer Prävalenz von 5–8 pro 1.000 Personen zählt die Epilepsie zu den häufigsten neurologischen Krankheiten. Auch wenn bei etwa zwei Drittel der PatientInnen mit Epilepsie mit medikamentöser Therapie eine anhaltende Anfallsfreiheit erzielt werden kann, bleibt noch rund ein Drittel der PatientInnen medikamentös therapieresistent. Der Erfolg der Epilepsiebehandlung – sei es medikamentös oder chirurgisch – hängt einerseits von der Ätiologie und vom Syndrom ab, andererseits aber auch von den Ergebnissen der apparativen Methoden, die für die Abklärung eingesetzt werden. Eine entscheidende Rolle neben der Elektroenzephalografie spielt die strukturelle Bildgebung mittels Magnetresonanztomografie (MRT). Die MRT wurde als Routinemethode bereits in den 1980er-Jahre etabliert. In den letzten Jahren hat sie eine deutliche Entwicklung durchgemacht.

Stellenwert der MRT: Eine elektive MRT sollte prinzipiell nicht nur bei PatientInnen mit therapieresistenter Epilepsie durchgeführt werden, sondern bei möglichst jedem Patienten/jeder Patientin mit erstmaligem Anfall sowie auch bei PatientInnen mit idiopathischen Epilepsieformen. Ein spezielles Protokoll, das die Erkennung von epileptogenen Läsionen erleichtert, wird seit einigen Jahren standardmäßig eingesetzt und beinhaltet eine sensitive, aber möglichst ökonomische Batterie der Sequenzen („essential six“), die eine Abgrenzung auch kleinerer Läsionen erlaubt. Dabei sollte eine Signalstärke von 3 Tesla angestrebt werden, obwohl die meisten epileptogenen Läsionen auch bei Messungen mit 1,5 Tesla identifizierbar sind. Eine Anwendung von weniger als 1,5 Tesla ist aufgrund der niedrigen Kontrastierung in der Epilepsiediagnostik obsolet.
Die MRT kann einen Beitrag in der Prognoseerstellung für das Erreichen von Anfallsfreiheit unter Therapie leisten. Es ist bekannt, dass PatientInnen mit in der MRT identifizierbaren strukturellen Veränderungen, wie einer mesialen Sklerose oder kortikalen Entwicklungsstörungen, eine schlechtere Prognose hinsichtlich des Ansprechens auf die Medikation haben als PatientInnen ohne Veränderungen im MRT.
Aber auch in den Fällen, wo eine hochauflösende MRT keine Veränderungen zeigt, ermöglichen diverse raffinierte Bildnachbearbeitungsmethoden, wie die voxel-based-morphometry (VBM) oder diffusion-tensor-imaging-(DTI-)basierte Datenanalyse, die Visualisierung von ,versteckten‘ Läsionen.
Die immer besser werdende Auflösung und die Einführung der neuen Sequenzen und diversen Bildbearbeitungsmethoden – all das hat die MRT zu einem unverzichtbaren Teil in der Diagnostik der Epilepsie gemacht. Trotzdem sollte beachtet werden, dass nicht alle Abnormitäten (wie z. B. die mesiale Sklerose, Kavernome, Gliome oder Malformationen) Anfälle verursachen und auch bei Vorliegen einer identifizierbaren strukturellen Veränderung Anfälle von einem anderen Ursprungsort im Gehirn ausgehen können. Es sollte eine klinische, elektrophysiologische und strukturelle Information stets im Kontext betrachtet werden.
In den vergangenen Jahren hat das Interesse an Bildgebungsverfahren in der Epileptologie deutlich zugenommen. Dies ist zum einen dem Umstand geschuldet, dass es einen Trend zu nichtinvasiven Methoden zur Abgrenzung der Anfallsursprungszone gibt; zum anderen ermöglicht die hochauflösende Bildgebung eine exzellente Darstellung der anatomischen Strukturen, die Visualisierung selbst subtil zeichnender epileptogener Läsionen (wie z. B. Heterotopien oder Dysplasien) und ihrer Lagebeziehung zu eloquenten Kortexarealen, was für eine sichere Planung und Durchführung einer Operationen unabdingbar ist.

Multimodales Imaging: Immer häufiger werden auch neuere Neuroimaging-Methoden wie PET, SPECT und MEG eingesetzt. Bis vor Kurzem wurden diese Untersuchungen unabhängig voneinander durchgeführt und die erhaltenen Ergebnisse später mit den MRT-Bildern fusioniert und auf die anatomischen Strukturen integriert. Mittlerweile kann die Aufnahme der Daten kombiniert erfolgen und so eine noch höhere Präzision erreicht werden. So konnte in den letzten Jahren durch die simultane Aufzeichnung von PET- und MR-Imaging ein ‚personalisiertes‘ Imaging-Protokoll entwickelt werden. Diese neuartige Anwendung ermöglicht es, die einzigartige patientInnenspezifische molekulare Imaging-Information der Krankheit besser zu verstehen, und könnte in Zukunft ein neuer Ansatz im multimodalen Imaging werden.