Generika als preiswerte und sichere Alternative

Foto:shutterstock/pogonici

Zunehmender Kostendruck und globale Marktkonzentrationen in der globalen Pharmabranche haben die Arzneimittelproduktion weitgehend in Billigproduktions-länder abwandern lassen. Die Folge sind immer häufiger temporäre Lieferengpässe für einzelne Arzneimittel. Durch wirkstoffgleiche Generika können nicht vorrätige Präparate ersetzt werden und sie tragen damit zur Versorgungssicherheit wesentlich bei.

In letzter Zeit nehmen Fälle, in denen teils lebenswichtige Medikamente nicht mehr oder nur eingeschränkt lieferbar sind, zu. Im heimischen Vertriebseinschränkungs-Register des Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) sind aktuell 351 Medikamente als „nicht lieferbar“ bzw. „eingeschränkt lieferbar“ gemeldet.1 Als Lieferengpass ist dabei eine zumindest zweiwöchige Unterbrechung einer Auslieferung des Zulassungsinhabers definiert. Zu den am häufigsten betroffenen Arzneimitteln zählen Blutdruckmedikamente, Cortisonsalben, Schmerzmittel, Zytostatika oder Krankenhaus-Antibiotika.

Komplexes Ursachenbündel

Das Thema Lieferengpässe bei Arzneimitteln ist insgesamt sehr komplex und hat verschiedenste Ursachen, abgesehen vom genannten Parallelhandel – besonders höherpreisige Produkte werden von internationalen Händlern in Österreich relativ günstig erworben und anschließend in einem höherpreisigen Land verkauft – vor allem den hohen Preisdruck, ein schwer abzuschätzendes Marktumfeld sowie die zunehmende Konzentration der Hersteller auf einige wenige lukrative Wirkstoffe. Hinzu kommt die Umsetzung der EU-Arzneimittel-Fälschungsrichtlinie, die aufgrund der zusätzlichen Sicherheitsstufen ebenfalls zur Verlangsamung und damit geringeren Output-Mengen in der Herstellung führen kann.

Neben dem raschen Zugang zu innovativen Arzneimitteln ist die Liefersicherheit für jahrelang bewährte, lebenswichtige Arzneimittel elementar für die Patientenversorgung. Hier stehen Ärzten und Apotheken Generika als gleichwertige Alternative zur Verfügung. Sie ersetzen andere Medikamente nicht nur bei Lieferengpässen, sondern helfen aufgrund ihres Preisvorteils – bei identer Zusammensetzung und damit identer Qualität wie die Originalpräparate – dem Gesundheitssystem dabei, Kosten zu sparen. Dadurch können mehr Patientinnen und Patienten wirkungsvoll behandelt werden.

Maßnahmenbündel gefordert

Selbstverständlich sind aber auch Generika selbst nicht vor Lieferengpässen gefeit. Um die breite Versorgungssicherheit für Patienten nachhaltig abzusichern, hat der Österreichische Generikaverband ein Maßnahmenbündel formuliert. So soll die Generika-Produktion in Österreich selbst durch Förderungen in den Standort sowie in die Forschung und Entwicklung gestärkt werden. Vorgeschlagen wird auch eine staatliche Risikoabsicherung für Sicherheits-Bevorratung bei wichtigen Medikamenten, die häufiger von Lieferengpässen betroffen sind. Außerdem sollte das BASG-Vertriebseinschränkungs-Register in den Medikamentenprogrammen von Ärzten und Apothekern verfügbar sein, damit diese rasch reagieren und gegebenenfalls nach Alternativen suchen können. Denn für viele der betroffenen Medikamente stehen Arzneimittel mit gleicher oder ähnlicher Wirkung zur Verfügung. Oft sind das Generika.

1 Vertriebseinschränkungsregister des Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen, http://www.basg.gv.at (Stand: 06.07.2020)

 

AT2009070610
Redaktion: Renate Haiden