Weniger Delir durch ultraschallgestützten Fascia-iliaca-Block bei Hüftfrakturen

Eine multizentrische randomisierte Studie zeigt, dass bei älteren Patientinnen und Patienten mit Hüftfrakturen der ultraschallgestützte Fascia-iliaca-Block mit einer signifikanten Reduktion der Delirrate innerhalb der ersten sieben Tage nach Aufnahme verbunden ist.

Regionale Anästhesie lohnt sich

In die Studie wurden Patientinnen und Patienten aus sieben universitären Notaufnahmen in Kanada eingeschlossen. Das Studiendesign folgte einer sogenannten Stepped-Wedge-Cluster-Randomisierung:
Notfallmedizinerinnen und -mediziner mit wenig oder keiner Vorerfahrung in Nervenblockaden erhielten zu unterschiedlichen Zeitpunkten eine strukturierte Schulung zum Fascia-iliaca-Block. Insgesamt wurden 208 von 213 geeigneten Ärztinnen und Ärzten trainiert.

Der primäre Endpunkt war das Auftreten eines Delirs innerhalb von sieben Tagen nach Aufnahme.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 732 Patientinnen und Patienten randomisiert:

  • Kontrollgruppe (vor Schulung): 264 Patientinnen und Patienten (36,6 %)
  • Interventionsgruppe (nach Schulung): 468 Patientinnen und Patienten (63,4 %)

Die Resultate zeigen einen klaren Vorteil für die Interventionsgruppe:

  • Delirrate Kontrollgruppe: 31 %
  • Delirrate Interventionsgruppe: 26 %
  • Odds Ratio: 0,72 (95 %-KI 0,57–0,93)

Bemerkenswert ist der Unterschied in der Anwendung regionaler Anästhesie:

  • Nervenblockaden wurden bei 2,2 % der Kontrollgruppe durchgeführt,
  • gegenüber 52,9 % in der Interventionsgruppe.

Bedeutung für die klinische Praxis

Das Delir ist ein patientenzentrierter Endpunkt, den Notfallmedizinerinnen und -mediziner direkt beeinflussen können. Hüftfrakturen im höheren Lebensalter sind mit erheblicher Morbidität verbunden. Der Fascia-iliaca-Block ist ein rasch einsetzbares, sicheres Verfahren, das gleichzeitig Schmerzen lindert, den Opioidbedarf senkt und die Delirhäufigkeit reduziert.

Trotz hoher Arbeitsbelastung und zunehmender administrativer Anforderungen zeigt diese Studie eindrucksvoll: Ein kurzer Schritt weg vom Computer hin zum Patientenbett kann einen messbaren klinischen Nutzen bringen.

POCUS-Praxis-Tipps

Der Fascia-iliaca-Block gilt als anwenderfreundlich und sicher zur Analgesie bei Hüftfrakturen. Besonders der infrainguinale Zugang hat sich als gut erlernbar erwiesen, da die Anatomie meist klar erkennbar ist.

Praktisches Vorgehen:

  • Zunächst A. und V. femoralis identifizieren
  • Anschließend leicht lateral zum M. iliacus schallen
  • Ein häufiger Fehler ist ein zu kaudaler Schallansatz
  • Wird der M. sartorius nicht klar über dem M. iliacus dargestellt, sollte der Schallkopf weiter kranial Richtung Leistenband verschoben werden

Fazit

Der ultraschallgestützte Fascia-iliaca-Block ist eine effektive, sichere und praxisnahe Intervention, mit der Notaufnahmen die Versorgungsqualität älterer Patientinnen und Patienten mit Hüftfrakturen nachhaltig verbessern können.