Mit 1. Juli 2026 hat Ashley Krotchen die Geschäftsführung von Lilly in Österreich, der österreichischen Niederlassung von Eli Lilly and Company, übernommen. Die US-Amerikanerin war zuvor bei Eli Lilly als Global Product & Portfolio Marketing Leader in Indianapolis tätig. Das Unternehmen trägt bis heute den Namen seines Firmengründers: Eli Lilly, ein US-amerikanischer Apotheker, der 1876 sein eigenes Unternehmen gründete, um selbst Medikamente herzustellen. Auch die noch heute gelebte Unternehmensphilosophie reicht bis in die Gründungsjahre zurück: Bestehendes aufgreifen und kontinuierlich weiterentwickeln und verbessern. Dieser Ansatz wird auch in Österreich konsequent verfolgt – und das im heurigen Jahr seit genau 50 Jahren: 1976 wurde Lilly in Österreich eröffnet, exakt 100 Jahre nach der Firmengründung. „In diesen fünf Jahrzehnten haben wir hierzulande ein wirklich starkes Fundament aufgebaut, auf dessen Basis ich das Unternehmen nun weiterentwickeln kann“, freut sich Krotchen auf ihre Tätigkeit in Österreich.
Als wichtige Unternehmensmeilensteine der letzten Jahre nennt Krotchen die Fortschritte in den Bereichen Alzheimer und Adipositas: „Menschen mit Alzheimer sowie ihre Angehörigen haben lange auf Behandlungsmöglichkeiten gewartet und wir bei Lilly sind stolz darauf, ihnen nun bessere Therapiemöglichkeiten – und dadurch Hoffnung – bieten zu können.“ Doch entscheidend seien nicht allein die wissenschaftliche Entdeckung und die Zulassung, sondern der Moment, in dem eine Therapie tatsächlich bei den Menschen ankommt. In diesem Zusammenhang weist Krotchen auf eine der großen Herausforderungen hin, denen sich pharmazeutische Unternehmen derzeit weltweit gegenübersehen: die rasante Geschwindigkeit medizinischer Innovation. „Neue Technologien wie künstliche Intelligenz haben die Entwicklung von Medikamenten stark beschleunigt. Gesundheitssysteme benötigen jedoch Zeit, um neue Therapien zu bewerten, die Finanzierung zu regeln und in Versorgungsstrukturen zu integrieren“, weiß die Managerin aus der Praxis. Dadurch entsteht ihrer Meinung nach eine Lücke zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und tatsächlichem Zugang für Patient:innen. „Die zentrale Frage lautet daher nicht nur, ob Innovationen zugelassen werden, sondern auch, ob sie rasch genug in der Versorgung ankommen“, betont Krotchen – und ist davon überzeugt, dass sich der Innovationsprozess in Zukunft noch weiter beschleunigen wird. Handlungsbedarf sei somit dringend gegeben.
Ein weiterer Meilenstein der jüngeren Vergangenheit ist laut Krotchen der kontinuierliche Ausbau der Produktion bei Eli Lilly, denn neben Forschung und Entwicklung müsse sichergestellt werden, dass Medikamente verlässlich verfügbar sind. „Lilly hat daher erheblich in seine Produktionskapazitäten investiert, um der steigenden Nachfrage nach innovativen Therapien gerecht zu werden“, erklärt sie.
Im Hinblick auf die Zukunft unterstreicht Krotchen, dass Innovation auch weiterhin bei Lilly im Vordergrund stehen wird. Neben Adipositas, einem Bereich, in dem weitere Entwicklungen erwartet werden, sieht sich das Unternehmen auch bei Alzheimer erst am Anfang und will hier noch weitere Innovationen auf den Markt bringen. Zusätzliche Schwerpunkte liegen auf der Onkologie, der Immunologie sowie im kardiovaskulären Bereich.
„Wir bei Lilly sind dabei nicht so sehr an sogenannten ‚Me-too-Therapien‘ interessiert, sondern widmen uns vor allem bislang ungelösten medizinischen Fragen, also Bereichen, in denen die Patientinnen und Patienten derzeit noch keine oder keine ausreichenden Behandlungsoptionen haben. Auch wenn uns natürlich bewusst ist, dass Forschung in diesen Bereichen besonders herausfordernd ist“, betont Krotchen.
Für die Zukunft plädiert Lilly für einen stärkeren Fokus auf Gesundheitsvorsorge statt auf reiner Krankheitsbehandlung. Hier sieht Krotchen das österreichische Gesundheitssystem durchaus kritisch: „Das System in Österreich – so wie in vielen anderen Ländern auch – ist darauf ausgelegt, akute Krankheiten zu bekämpfen. Dabei sollte es eigentlich darauf abzielen, Krankheiten zu verhindern.“ Prävention werde jedoch häufig nur als Kostenfaktor betrachtet, könne aber langfristig für Patient:innen wie auch für Gesundheitssysteme großen Mehrwert schaffen. Dafür braucht es laut Krotchen neue Bewertungs- und Finanzierungsmodelle, die den gesellschaftlichen Nutzen von Innovationen besser abbilden.
Die jüngsten Entwicklungen in den USA haben anderen Ländern deutlich das Ausmaß des globalen Wettbewerbs bei pharmazeutischer Forschung, Investitionen und Produktion vor Augen geführt. Wie sieht Krotchen mit ihren Erfahrungen in den USA die derzeitige Situation? „Europa hat Stärken und kann auf solider Wissenschaft, qualifizierten Gesundheitsfachkräften und gut etablierten Gesundheitssystemen aufbauen. Ich denke, die Herausforderung ist – ich kann es nur nochmals wiederholen –, wie Forschung, Investitionen und der Zugang für Patientinnen und Patienten in Europa mit dem Fortschritt in der pharmazeutischen Wissenschaft Schritt halten können.“ Sie ist davon überzeugt, dass es diesbezüglich kein „One fits all“-Modell gibt und das Kopieren anderer Systeme daher keinen Sinn macht: „Vielmehr müssen wir etwas bauen, das einzigartig für den europäischen Markt geeignet ist. Denn wir alle wollen schließlich, dass Europa ein wettbewerbsfähiger Ort bleibt, der für Pharmaunternehmen interessant ist, um hier zu forschen und zu investieren. Denn dadurch wird sichergestellt, dass Innovation bei den Betroffenen rasch ankommt.“
Krotchen sieht Europa und auch Österreich diesbezüglich an einem kritischen Wendepunkt: „Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass sowohl Gesundheitssysteme als auch Pharmaunternehmen vorhersehbare Investitionsmöglichkeiten für Forschung und Fertigung auf dem europäischen Markt sehen. Denn dann werden neue wissenschaftliche Entwicklungen Teil der routinemäßigen Versorgung für Menschen hier in Österreich und allgemein in Europa. Werden hier keine entsprechenden Maßnahmen gesetzt, gefährdet das die langfristigen Chancen für Forschung, Investitionen und Fertigung in Europa.“ Hierfür brauche es den Dialog aller Stakeholder und Lilly sei sehr gerne bereit, Teil davon zu sein, um zu bewerten, was eine einzelne Innovation der Gesellschaft insgesamt bringen kann, so Krotchen abschließend. Dies sei keine einfache Diskussion, aber sie müsse jetzt geführt werden.