Ärztekammer: Austro-iranischem Wissenschafter droht Todesstrafe

Einem österreichisch-iranischen Wissenschafter, der im Iran festgehalten wird, droht offenbar die Todesstrafe. Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres fordert die Österreichische Regierung auf, aktiv zu werden.
Massud Mossaheb sei im Jänner im Rahmen einer Reise mit einer Delegation des medizinischen, niederösterreichischen Projekts MedAustron festgenommen, verhört und, wie dessen Familie nach wochenlanger Ungewissheit erfahren habe, im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert worden, berichtet die Ärztekammer. Der Doppelstaatsbürger und Generalsekretär der Österreichisch-Iranischen Gesellschaft sei monatelang verhört worden – „ohne Rechtsbeistand und unter massivem Druck“. Nach Auskunft seiner Tochter sei er „zu falschen Geständnissen gezwungen“ worden, teilte die Ärztekammer in einer Aussendung mit. Sie forderte die Regierung zum Handeln auf.
Mossaheb zog demnach 1965 nach Österreich, um an der Technischen Universität in Wien ein Maschinenbau-Studium zu absolvieren, und ist seit 1980 österreichischer Staatsbürger. Für Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres ist „besonders erschwerend, dass Mossaheb unter einer Herzinsuffizienz, einem Diabetes Typ II, einer Polyneuropathie sowie einer – besonders schmerzhaften – Divertikulitis leidet“. Den Informationen der Ärztekammer zufolge wird Mossaheb nicht adäquat medizinisch versorgt. „Dazu kommen die menschenunwürdigen Haftbedingungen.“
Die Ärztekammer habe mittlerweile Kontakt mit amnesty international aufgenommen. „Wir wissen, dass die Republik Österreich aufgrund der völkerrechtlichen Vereinbarungen bei Doppelstaatsbürgerschaften nur wenig Handhabe hat“, so Szekeres. Er erwartet sich jedoch, „dass die Republik Österreich eine klare Haltung bezieht und ihre Kontakte zu anderen europäischen Staaten nützt, um europäische Bürger vor der Willkür eines autokratischen Staates zu schützen“. Aus dem Außenministerium hieß es, Minister Alexander Schallenberg habe sich in einem Brief an seinen iranischen Amtskollegen Mohammad Javad Zarif gewandt. Ziel sei eine Verbesserung der Haftbedingungen sowie eine Freilassung aus humanitären Gründen. Der Iran betrachte den Mann freilich ausschließlich als Iraner. (APA)