Ärztekammer warnt vor Engpässen in der Pathologie

© ÖÄK/Thomas Jantzen

Überalterung und ungenutzte Ausbildungsplätze stellen die Pathologie in Österreich vor Herausforderungen. Die Ärztekammer ortet ein Nachwuchsproblem, vor allem in einigen Bundesländern.  

„Die Pathologie arbeitet im Hintergrund. Aber sie ist ein wichtiges Scharnier, um das das Geschehen im Spitalsbetrieb schwingt“, betonte Ärztekammer-Präsident Johannes Steinhart am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Doch das Gebiet kämpfe mit „massivenStrukturproblemen“: In Österreich arbeiten derzeit 365 Ärzt:innen in dem Fachgebiet. 62 davon, also etwa 17 Prozent, sind zwischen 60 und 65, weitere 60 sind über 65 Jahre alt. In den kommenden Jahren werde viel Expertise verloren gehen, so Steinhart. 

Und es fehlt an Nachwuchs: Von den 160 Ausbildungsplätzen seien nur etwa 80 belegt, ergänzte Eva Maria Compérat, Präsidentin der Gesellschaft für Pathologie (ÖGPath). Derzeit brauche es etwa 150 Patholog:innen mehr. Vor allem der Westen des Landes sei von den Problemen betroffen. Damit es in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu keinen Engpässen komme, müssten die bestehenden Plätze gefüllt werden. Die Fachleute appellierten an Politik, Krankenkassen und Universitäten, das Berufsbild gemeinsam mit der Ärzteschaft zu attraktiveren. 

Warum die Ausbildungsplätze leer bleiben, sei laut Compérat unklar. Es könne daran liegen, dass die Pathologie im Studium nicht ausreichend wahrgenommen wird. Vielen Nachwuchsärzt:innen sei nicht bewusst, wie breit gefächert das Gebiet ist. Patholog:innenspielen etwa eine zentrale Rolle in der Diagnostik und der Präzisionsmedizin, auch bei Therapiewahl und -kontrolle seien sie eingebunden, insbesondere in der Onkologie. „Die Pathologie beschäftigt sich zu etwa 98 Prozent mit Lebenden und nicht mit Toten“, entkräftete Compérat ein häufiges Vorurteil. Das Gebiet müsse sicht- und hörbarer werden, um junge Ärzt:innen und Ärzte dafür zu begeistern. (APA/tab)