Ausgaben für Prävention stiegen an 

© DVSV

Die Sozialversicherungen gaben zuletzt mehr Geld für Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge aus. Mit Abstand am meisten davon für die Tertiärprävention. 

Von 3,66 Milliarden Euro um 20,5 Prozent auf 4,41 Milliarden Euro stiegen die Ausgaben für Präventionsmaßnahmen der Sozialversicherungen in den Jahren von 2023 bis 2025 an. Das geht aus der am Dienstag präsentierten Präventionsbilanz des Dachverbands der Sozialversicherungen hervor. Den höchsten Anstieg verzeichneten die fünf Sozialversicherungsträger bei den Ausgaben für die Vermeidung von Krankheiten. Auf diese primärpräventiven Maßnahmen wie die betriebliche und schulische Gesundheitsförderung oder die Durchführung von Impfprogrammen entfielen 2023 noch 223 Millionen Euro, 2025 waren es dann 296 Millionen und damit um ein Drittel mehr. Allerdings ist der Anteil dieser Ausgaben an allen Ausgaben niedrig geblieben und veränderte sich von 2023 auf 2025 von 8,1 auf 6,7 Prozent.

Für die Früherkennung von Krankheiten, der Sekundärprävention, stellten die Sozialversicherungen 2025 843 Millionen Euro zur Verfügung, was gegenüber 2023 einen Anstieg von 21 Prozent bedeutet. Es gab 2025 aber auch eine Rekordbeteiligung an den Vorsorgeuntersuchungen: 1,5 Millionen Österreicher:innen nahmen daran teil, das sind 20 Prozent aus der Zielgruppe der Über-18-Jährigen. Fast gleich viele Untersuchungen wurden 2025 im Rahmen des Eltern-Kind-Passes beansprucht.

Mit rund 3,27 Milliarden Euro floss 2025 das weitaus meiste des Geldes für Prävention in die Tertiärprävention zur Verzögerung von Krankheitsverläufen oder zu deren Aufhaltung wie in Physiotherapien, Kuren oder medizinische und soziale Rehas. 2023 waren dafür noch 2,74 Milliarden Euro ausgegeben worden, der Anteil an den Gesamtausgaben verringerte sich aber von 75 auf 74 Prozent.

Zwischen den Versicherungen gibt es naturgemäß Unterschiede bei der Verteilung der Kosten. Während die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK), die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) und die Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen (SVS) die Mehrheit der Ausgaben für die Primär- und Sekundärprävention abdecken, übernimmt die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) den Großteil der Ausgaben im Bereich der Tertiärprävention. Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) trägt am meisten zur Primärprävention bei.

Mit dem Wachstum der Ausgaben für Präventionsmaßnahmen von rund 24 Prozent oder 15 Euro pro Kopf zwischen 2019 und 2024 hatte Österreich laut einer Erhebung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) übrigens die höchste Steigerung im Vergleich zu den Nachbarländern Deutschland (20 Prozent) und der Schweiz (15 Prozent). Was die Ausgaben für Prävention anbelangt, lag Österreich 2024 mit 78 Euro pro Kopf vor der Schweiz mit 57 Euro pro Kopf, aber weit abgeschlagen hinter Deutschland mit 175 Euro pro Kopf.

In Reaktion auf die Präventionsbilanz nannte die Österreichische Apothekerkammer (ÖAK) die Steigerung der Ausgaben „ein wichtiges Signal“. Man betonte aber, dass die Bilanz zeige, was fehlt: eine Gesamtstrategie, die festlegt, wohin Österreich bei der Gesundheitsvorsorge will. Diese fordert die ÖAK nun in Form eines nationalen Präventionsplans bis 2030 ein. Außerdem kritisierte die Apothekerkammer, dass die Sozialversicherung keine Präventionsangebote in Apotheken finanziert, wie eine Medikationsberatung, oder Angebote zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes. Diese Leistungen sollen laut ÖAK künftig in den Apotheken via E-Card kostenlos von den Versicherten in Anspruch genommen werden können. (sst/APA)