Debatte um Aufnahmestopp in Ordinationen

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Eine Umfrage zeigt, dass jede dritte Kassenordinationen keine neuen Patient:innen mehr aufnimmt. Relatus kennt die Ursachen und welche Fächer besonders betroffen sind.

Eine aktuelle Auswertung von 1.112 Ordinationen in Österreich zeigt: Die Kassenmedizin stößt an ihre Grenzen. Im Median haben 32 % der Kassenordinationen einen Aufnahmestopp, berichtet das Portal krankenversichern.at. Dass im Schnitt rund jede dritte Ordination derzeit keine neuen Patient:innen aufnimmt, dürfe dabei nicht als Unwillen der Ärzteschaft verstanden werden. „Die meisten Ordinationen arbeiten bereits an ihrer Auslastungsgrenze – die Gründe dafür liegen überwiegend in den Rahmenbedingungen des Systems“, schreibt das Portal. Ein Aufnahmestopp ist in vielen Kassenpraxen eine Folge hoher Auslastung. Für Patient:innen bedeutet die hohe Auslastung vor allem längere Wartezeiten auf einen Kassentermin – je nach Fachrichtung und Region unterschiedlich stark. Spitzenreiter sind die Dermatologie und Gynäkologie. Weniger Probleme gibt es demnach in der Neurologie und Radiologie.

Im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich führte auch die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) eine Analyse der Gesundheitsversorgung im Bundesland durch. Im Bundesländervergleich und auf Bezirksebene wurden Zahlen im niedergelassenen Bereich und in den Krankenhäusern ausgewertet. Fazit: „Oberösterreich hat in vielen Regionen massiven Aufholbedarf bei den Kassenarztstellen. Die Politik muss dringend handeln“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl. 2024 gab es in Oberösterreich. 1.596 niedergelassene Ärzt:innen mit Kassenvertrag gibt es in Oberösterreich. Das entspricht 104 Mediziner:innen pro 100.000 Einwohner:innen (Österreich 112). Damit belegt Oberösterreich den letzten Platz der neun Bundesländer. „In nahezu allen Fachrichtungen ist der Anteil der niedergelassenen Ärzt:innen mit Kassenvertrag rückläufig“, sagt AK-Präsident Stangl.

Die Forderungen der AK OÖ: Die offenen Kassenstellen müssen rasch nachbesetzt und die Primärversorgungszentren ausgebaut werden. Es müsse ein Rechtsanspruch geschaffen werden, der die Versorgung durch eine:n Allgemeinmediziner:in sicherstellt. Zudem muss sich das Land Oberösterreich finanziell stärker bei Primärversorgungszentren und weiteren Gesundheitszentren beteiligen. Solange eine kassenärztliche Unterversorgung besteht, müssten die Versicherten den vollen Kassenarzttarif ersetzt bekommen, wenn sie zu einem Wahlarzt oder einer Wahlärztin ausweichen.

„Wir versuchen, gemeinsam mit der Landesstelle der ÖGK und dem Land Lösungen zu finden. Die Zentralisierung der Gesundheitskasse macht das aber schwierig“, sagt der Präsident der Ärztekammer OÖ, Peter Niedermoser. Zudem hätten auch Ärzt:innen und ihr Personal nur bedingte Ressourcen, mit denen man den Patient:innen eine gute Versorgung zukommen lassen kann. Und: Die Bevölkerung wird immer älter. Das hat natürlich zur Folge, dass es mehr Patient:innen gibt.

Die Tiroler Ärztekammer wiederum fordert ebenfalls einen Ausbau der Kassenstellen, insbesondere in Bereichen mit hohem Bedarf. „Wir haben wiederholt auf die Notwendigkeit weiterer Kassenstellen hingewiesen, doch bisher konnte dies nicht umgesetzt werden“, erklärte Stefan Kastner, Präsident der Tiroler Ärztekammer. Grundsätzlich seien die bestehenden Kassenstellen gut besetzt. Es seien aber zu wenige für eine flächendeckende Versorgung. Der niedergelassene Bereich sei unzureichend ausgebaut und könne nicht ausreichend Aufgaben von den Krankenhäusern übernehmen. (red)