Ein Pakt für die Gesundheit junger Menschen 

© Gesundheitspolitisches Forum/APA

Wie es um die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen bestellt ist, ob sie sich verschlechtert hat, wie und von wem sie verbessert werden könnte: Diese Fragen standen am Mittwoch beim Gesundheitspolitischen Forum im Fokus.  

Ob wir als Gesellschaft, als Eltern, als Kindergarten und Schule, als Vereine und als Politiker:innen gerade die Gesundheit der Generation der Kinder und Jugendlichen verspielen: Das war am Mittwoch die Ausgangsfrage des Gesundheitspolitischen Forums, einer Veranstaltungsreihe der Karl Landsteiner Gesellschaft in Wien. Keynote-Speakerin Ilona Kickbusch, Gründerin des Global Health Centre am Geneva Graduate Institute, forderte „Wir brauchen einen Generationenvertrag, der absichert, dass die Kinder und Jugendlichen von heute eine Zukunft haben und die unter guten Bedingungen und größtmöglicher Vermeidung von Krankheit.“ Für diesen Pakt, der am besten jeweils für zehn Jahre zu schließen sei, und eine bessere gesamte Gesundheit der Jungen müssten laut Kickbusch alle zusammenarbeiten: von den Eltern über die Bildungsinstitutionen bis hin auch zu den Parlamentariern und den Sozialversicherungen.

Nach Umfragen würde fast ein Drittel der Mädchen und Buben unzufrieden mit dem Leben sein und sich psychisch nicht gut fühlen. „Wenn junge Menschen unter Leistungsdruck, Krisen und Geschäftsmodellen sozialer Medien psychisch erkranken, gefährden wir unsere wirtschaftliche, soziale und demokratische Zukunft“, führte Kickbusch aus. Sie ortet eine historische Zäsur: „Zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges ist es nicht mehr selbstverständlich, dass die nächste Generation gesünder ist, als die vorhergehende.”

In der nachfolgenden Diskussion lenkte Rainer Wolschner, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde sowie Leiter des Referats Impfangelegenheiten in der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien (WÄK), den Blick auf die Prävention. „Viele gesundheitliche Probleme haben ihren Ursprung in der Kindheit, daher ist Prävention bei Kindern und Jugendlichen wichtig“, sagte er und ergänzte: „Nach dem Ende des Eltern-Kind-Passes (EKP) kurz vor dem Schuleintritt sollte zusätzlich zur schulärztlichen Versorgung eine strukturierte Vorsorge etabliert werden, damit wir gesundheitliche, entwicklungsbedingte oder psychische Probleme frühzeitig erkennen können.“

Karlheinz Kornhäusl, ÖVP-Landesrat für Gesundheit, Pflege und Kultur sowie Internist in der Steiermark, sagte, er halte die Idee Kickbuschs, einen Pakt abzuschließen, für eine ganz wunderbare Idee. „Ich sehe mich als Politiker gefordert, Eltern zu unterstützen, Schulen und Vereine zu unterstützen, damit ein Umfeld geschaffen wird, in dem Kindern ein möglichst unbeschwertes und gesundes Aufwachsen ermöglicht werden kann.“ Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) meinte: „Unsere Kinder wachsen in schwierigen Zeiten mit vielen Krisen auf, und ich bin überzeugt davon, dass es uns alle braucht, damit die Kinder gut aufwachsen und den ganz großen gesellschaftlichen, ganzheitlichen Blick darauf.“ Eine Lösung, Kinder und Jugendliche von ihrem hohen, täglich stundenlangen Social-Media-Konsum weg zu bringen, der sich nachweislich negativ auf ihre Gesundheit auswirke, sieht sie in Ganztagsschulen.

Trainerin Amira Awad ist Mutter von drei Kindern und unterrichtete als Teach-for-Austria-Fellow: „Ich sehe, dass das körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden von Kindern nach wie vor stark vom Elternhaus und dem sozialen Umfeld abhängt.“ Man dürfe Familien nicht allein lassen, meinte sie. „Gesundheit entsteht dort, wo Kinder ihren Alltag verbringen“, erklärte Silvia Bruni, Geschäftsführerin von CAPE 10, einem Sozial-, Gesundheits-, und Innovationszentrum in Wien. „Deshalb denken wir bei CAPE 10 Gesundheit ganzheitlich und gehen gemeinsam mit Expert:innen neue Wege, denn Prävention, Gesundheitsförderung und medizinische Versorgung müssen näher an die Lebenswelten der Kinder rücken und besser zusammenspielen.“ (sst)