Erste Präsidentin für die OÖ-Ärztekammer  

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Die ärztliche Standesvertretung in Oberösterreich stellt sich neu auf. Bei der Vollversammlung wurde erstmals eine Frau an die Spitze gewählt. Sie setzt auch neue Schwerpunkte. 

„Ich freue mich sehr über dieses Vertrauen“, erklärte die Nuklearmedizinerin Silke Haim vom Ordensklinikum Linz nach ihrer Wahl zur neuenPräsidentin der OÖ-Ärztekammer. Erstmals in der 133-jährigen Geschichte führt damit eine Frau die Standesvertretung im Bundesland an. Als Kurienobmänner fungieren weiterhin der Urologe im Kepler Universitätsklinikum, Sebastian Graf (Kurie der angestellten Ärzte) sowie der Facharzt für Augenheilkunde in Traun, Paul Niederberger (Kurie der niedergelassenen Ärzte). Heim löst Peter Niedermoser ab, der in Pension geht.

Es gehe ihr darum, die Ärztekammer zukunftsfit, schlank und nah an den Mitgliedern zu positionieren, betont Haim nach ihrer Wahl. Ein Schwerpunkt werde auf der Prävention liegen, etwa am Ausbau der Gesundheitsförderung und von Impf- und Vorsorgeprogrammen. „Was die Bewusstseinsbildung der Ressource medizinische Dienstleitung betrifft, müssen die Menschen wieder mehr eigene Gesundheitskompetenz aufbauen und auch erkennen, dass nicht mehr jede ärztliche Intervention zu jeder Tages- und Nachtzeit allumfänglich vorhanden sein kann“, so Haim.

Als weitere notwendige Maßnahmen im Gesundheitssystem nannte Haim bessere Arbeitsbedingungen von Ärzt:innen und eine funktionierende Patientenlenkung. Verschiedene Umfragen würden zeigen, dass knapp die Hälfte aller Patient:innen in einer Terminambulanz in einer Struktur in der Niederlassung gut versorgt werden könnten, ergänzte Kurienobmann Sebastian Graf: „Die Hälfte – diese Zahl muss ein Alarmsignal sein.“ Die Kapazitäten in den Spitälern seien ausgeschöpft. „Das medizinische Niveau und die angebotenen Leistungen am Standort Oberösterreich sind sehr hoch. Das System ist aber am Limit“, so Graf. Auch das Thema Ausbildung, das zuletzt unter jungen Kolleg:innen für Unmut gesorgt hatte, wurde angesprochen. „Die Verkürzung der Basisausbildung ab 1. August von neun auf sechs Monate lässt Berufsanfänger und Träger nun besser planen“, betonte Graf, der sich über das ungebrochene Interesse zum Aufnahmetest zum Humanmedizin-Studium freut. Allein an der JKU Linz haben sich 2289 Menschen zum MedAT angemeldet, 330 Studienplätze stehen zur Verfügung. Diese jungen Menschen gelte es, im Bundesland zuhalten. „Wir haben uns als Ärztekammer sehr für die medizinische Fakultät in Linz eingesetzt. Die bestens ausgebildeten künftigen Kolleginnen und Kollegen müssen dann aber auch in Oberösterreich einen Ausbildungsplatz bekommen.“

Für eine Stärkung der Niederlassung sprach sich Paul Niederberger, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte aus. „Wir möchten Oberösterreich zum attraktivsten Bundesland für die Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten machen. Junge Kolleginnen und Kollegen sollen die Entscheidung für eine eigene Ordination weniger als Risiko, sondern als Chance sehen.“ Dafür brauche es moderne Rahmenbedingungen wie flexibleArbeitsmodelle, Teilzeitkassenstellen, dispensierrechtliche Abgabe von Arzneimitteln in der Ordination, neue Organisationsformen und einezeitgemäße Infrastruktur. „Eine moderne Ärztekammer versteht sich nicht als Organisation des Widerspruchs, sondern als Organisation der Verantwortung. Unser Anspruch ist es, Brücken zu bauen“, betonte Niederberger. Deshalb wolle die Ärztekammer Oberösterreich „eine neue Kultur der Zusammenarbeit leben.“ Ärzt:innen sollen möglichst viel Zeit mit Medizin verbringen – und möglichst wenig Zeit mit Verwaltung. „Jede Vereinfachung von Abläufen, jede sinnvolle Digitalisierung und jede Entlastung im Alltag kommt letztlich den Patientinnen und Patienten zugute. Dabei geht es nicht darum, Verantwortung abzubauen, sondern Prozesse klüger zu gestalten“, so Niederberger. (tab)