Europas Kampf gegen Krebs gefährdet

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Der EU-Rechnungshof sieht Probleme bei Europe’s Beating Cancer Plan durch Kürzungen bei Finanzierung und unterschiedliche Umsetzung in Mitgliedsländern. Kritik gibt es auch an Österreich.  

Die Zukunft des EU-Programms zur Krebsbekämpfung „Europas Plan gegen den Krebs“ ist offenbar gefährdet: Laut einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des Europäischen Rechnungshofs sei durch Kürzungen des Programms EU4Health seit 2024 um mehr als 35 Prozent (1 Milliarde Euro) die Zukunft des Plans unsicher. Zudem würden gute Projekte von den EU-Ländern nicht umgesetzt, die sich insgesamt auch sehr unterschiedlich beteiligten. 

Krebs ist nach wie vor eine der größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit in Europa, betonen die Prüfenden in ihrem Bericht. In der EU werden demnach jede Minute fünf Krebsdiagnosen gestellt, und jede Minute sterben mehr als zwei Menschen an der Krankheit. Krebs ist damit die zweithäufigste Todesursache in den 27 EU-Ländern. Die Krankheit verursacht in der EU pro Jahr wirtschaftliche Schäden von über 100 Milliarden Euro. Der Anti-Krebs-Plan soll seit 2021 die Zusammenarbeit der EU-Länder beim Kampf gegen die Krankheit fördern. Für die laufende EU-Budgetperiode 2021-2027 wurden vier Milliarden Euro veranschlagt. 

„Krebs ist zweifellos eine der schlimmsten Krankheiten unserer Zeit, von der jeder zweite Mensch in der EU irgendwann in seinem Leben betroffen ist“, sagt Klaus-Heiner Lehne, das für die Prüfung zuständige Mitglied des Rechnungshofs, in einer Aussendung. „Europas Plan gegen den Krebs ist die wichtigste Strategie der EU zur Krebsbekämpfung. Ohne eine stimmige Umsetzung, klare Etappenziele und eine gesicherte Finanzierung kann das Potenzial des Plans jedoch nicht richtig ausgeschöpft werden.“ 

Positiv hebt der Bericht hervor, dass mit Europas Anti-Krebs-Plan EU-weit zahlreiche Maßnahmen unterstützt wurden, die potenziell von großem Nutzen sind. Einige EU-finanzierte Projekte hätten jedoch zu ähnliche Ziele verfolgt und ähnliche Zielgruppen angesprochen, was zu einem ineffizienten Einsatz der Gelder führte. Andere Projekte seien zwar gut konzipiert, hätten aber keine nachhaltigen Ergebnisse gebracht, da sie von zu wenigen EU-Ländern übernommen wurden. Der Rechnungshof mahnt daher zu mehr nationaler Akzeptanz für die Projekte und langfristigen Finanzierungsplänen und Strukturen. 

In seinem Bericht weist der Rechnungshof auf Konstruktionsfehler des Plans hin: So fehlen messbare Zielvorgaben, ein endgültiges Abschlussdatum und aufeinander abgestimmte Indikatoren. Schlüsselinitiativen müssten an die Bedürfnisse und Kapazitäten der Mitgliedstaaten angepasst werden, fordern die Prüfenden. Auch seien Monitoring und Evaluierung des Plans zu verbessern. Die Prüfer:innen äußern auch Bedenken hinsichtlich der Zukunft durch die Kürzungen des Gesamtbudget des Programms EU4Health. Wie der Plan bis 2027 weiter umgesetzt wird, ist daher unsicher. Auch wie es danach weitergeht, steht noch nicht fest: Die Verhandlungen für das nächste mehrjährige EU-Budget 2028-2034 sind gerade erst gestartet und haben andere Prioritäten. 

Zwischen den Mitgliedstaaten bestehen auch nach wie vor große Unterschiede, insbesondere bei der Krebsvorsorge. In der EU sind etwa im Schnitt zwei Drittel der Mädchen unter 15 Jahren gegen das humane Papillomavirus (HPV) geimpft. Die Impfquoten in den einzelnen Ländern klaffen jedoch stark auseinander und reichten von sieben Prozent in Bulgarien bis 91 Prozent in Portugal. In Österreich ist etwas über die Hälfte der Zielgruppe geimpft. Das EU-Ziel ist eine EU-weite Quote von 90 Prozent bis 2030.Österreich war nicht von der detaillierten Prüfung des ERH umfasst.  

Im Bericht wird zu Österreich aber ausgeführt, dass es zu jenen Mitgliedstaaten zählt, bei denen der Zugang zu Onkologen sehr stark vom Wohnort abhängt. Große Unterschiede gibt es insbesondere zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. Mit Stand 2025 hatte Österreich zwei der vier Säulen von „Europas Plan gegen den Krebs“ vollständig in der nationalen Strategie umgesetzt („Prävention“ und „Diagnose und Behandlung“), die zwei übrigen Säulen („Früherkennung“ und „Lebensqualität“) nur teilweise. Das Länderprofil der EU-Kommission und OECD von 2025 bescheinigt Österreich ein gemischtes bis positives Bild im Vergleich zum EU-Durchschnitt. Einerseits liegen Österreichs Ausgaben für Krebsvorsorge über dem EU-Durchschnitt, andererseits aber auch das Risikoverhalten der Bevölkerung (Rauchen, Alkohol, Übergewicht). Bei der Krebsfrüherkennung ist Österreich bei der Gebärmutterhals- und Darmkrebsvorsorge besser als der EU-Schnitt, hinkt aber bei der Brustkrebsvorsorge hinterher. Bei den Kapazitäten der Krebsbehandlung ist Österreich dagegen in allen Bereichen besser als der EU-Durchschnitt. (red/APA)