© VRD – stock.adobe.com Im Zuge der Verhandlungen zur Gesundheitsreform wird auch darüber diskutiert, dass Hausärzt:innen künftig Gatekeeper sein sollen. Der neue Berufsverband Fachärzt:innen Österreich lehnt das ab.
„Man sagt: Steuerung und Patientenlenkung. Man meint: Weniger Kosten und Rationierung. Auf Qualitätssicherung mit medizinischer Expertise wird bei der Debatte um Zuweisungszwang und Gatekeeping nicht vorrangig Rücksicht genommen“, betonte Florian Mittermayer, Präsident des neuen Berufsverbands Fachärzt:innen Österreich. Gemeinsam mit Expert:innen aus mehreren fachärztlichen Disziplinen warnt er davor, dass die aktuelle Gesundheitsreformdebatte „in die falsche Richtung“ gehe.
„Zuweisungszwang und Gatekeeping über die Primärversorgung bedeuten einen zusätzlichen Engpass in einem ohnehin stark belasteten System. Das Ergebnis wird ein Flaschenhals sein: Längere Wartezeiten für Patient:innen und ein höheres Risiko verzögerter Diagnosen“, so die Fachärzt:innen und appellieren an die politisch Verantwortlichen, alle Gesundheitsberufe in den Diskurs einzubeziehen.
Die doppelte Inanspruchnahme ärztlichen Fachpersonals – zunächst in der Primärversorgung, anschließend bei Fachärzt:innen – führe zu Mehrkosten und sei besonders problematisch für chronisch kranke Menschen. Sie müssten für regelmäßige fachärztliche Kontrollen jedes Mal wieder eine Überweisung holen. Der Ausbau der Primärversorgung sei grundsätzlich richtig, dürfte aber nicht mit neuen administrativen Aufgaben überlastet werden. Zudem rechnet der Verband damit, dass Patient:innen vermehrt auf Wahlärzt:innen ausweichenwerden, wenn der Zugang zu Kassen-Fachärzt:innen erschwert wird.
Hinsichtlich der Entlastung von Spitalsambulanzen sieht der Verband die Wirkung des Gatekeepings differenziert. Spezialisierte Ambulanzen könnten vor allem durch niedergelassene Fachärzt:innen bzw. Facharztzentren nachhaltig entlastet werden, nicht jedoch durch die Primärversorgung. (APA/tab)
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