Fünf Baustellen in der Gesundheitspolitik

© ÖÄK/Stefan Seelig

Österreichs Ärztevertreter:innen sehen in der aktuellen Gesundheitspolitik fünf Baustellen im niedergelassenen Bereich. Dabei spielen auch Wahlärzt:innen eine Rolle. 

Das Kassenarztsystem, der Druck auf Wahlärzt:innen, die Übersetzung ärztlicher Diagnosen in die ICD-10-Codes, und das Impfen in Apotheken: Diese fünf Baustellen sehen die obersten Ärztevertreter:innen in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) in der aktuellen Gesundheitspolitik. Zur Sprache kam das bei einem Pressgespräch, zu dessen Beginn ÖÄK-Präsident Johannes Steinhart sagte, nur bei „sinnvollen, an die Versorgungsrealität angepassten und zukunftsorientierten Maßnahmen“ sei die bestmögliche Versorgung der Patient:innen möglich. Damit im Sinn der Patient:innen mehr der vorhandenen, aber offenen Kassenstellen besetzt werden können, fordert die ÖÄK eine Stärkung des Kassenarztsystems beziehungsweise eine Verbesserung der Arbeits- und Rahmenbedingungen für Kassenärzt:innen mit Bürokratieabbau. 

Die steigende Zahl an Wahlärzt:innen sei nicht die Ursache für unbesetzte Kassenstellen, sondern das Abbild der fehlenden Attraktivität des Kassensystems, verdeutlichte ÖÄK-Vizepräsident und Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzt:innenEdgar Wutscher das Problem. Er kritisierte zudem den Druck auf Wahlärzt:innen in Form der jüngst im Gesundheitsministerium geäußerten Ideen, Wahlärzt:innen-Honorare zu deckeln und Wahlärzt:innen zur Behandlung von Kassenpatient:innen zu verpflichten. 

Mit der Verschiebung des Starts der verpflichtenden Codierung ärztlicher Diagnosen von Anfang Jänner auf Anfang Juli und einer Einführungsphase bis dahin hätten Ärzt:innen die Möglichkeit bekommen, ihre Erfahrung damit zu dokumentieren, sagte Dietmar Bayer, Obmann-Stellvertreter der Bundeskurie niedergelassene Ärzt:innen. Ein Katalog mit den Problemfeldern, die sich bisher zeigten, sei bereits an das Gesundheitsministerium übermittelt worden. Die Probleme müssten beseitigt werden, denn unter den aktuellen Bedingungen gebe es nur die Lösung, dass die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) selbst die Codierung übernimmt, sagte Steinhart. 

Zum Impfen durch Nichtärzt:innen in den Apotheken gab Naghme Kamaleyan-Schmied, Obmann-Stellvertreterin der Bundeskurie niedergelassene Ärzt:innen, zu Bedenken, dass Ärzt:innen eine jahrelange Ausbildung hätten und zu ständiger Fortbildung verpflichtet wären, während „auf der anderen Seite ein Wochenendkursus mit unklarer Qualität“ stehe. Hier müsste der Fokus auf maximale Patient:innensicherheit gelegt werden. Wird das Impfen in Apotheken möglich, würde sie es fair finden, dass zum Ausgleich für den Gebietsschutz der Apotheken auch ein Gebietsschutz für Arztpraxen kommt, „das heißt, dass zum Beispiel 400 Meter rund um die Arztpraxis in dort befindlichen Apotheken nicht geimpft werden darf“. (sst/APA)