Gesunder Arbeitsplatz: Auch die Psyche zählt   

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Zum Welttag der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz forderten Ärztekammer und Psycholog:innen-Verband, das psychische Wohlergehen von Beschäftigten mehr in den Mittelpunkt zu rücken.  

„Bei der Sicherstellung von gesundheitsfördernden Arbeitsbedingungen muss auch auf die psychische Gesundheit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern geachtet werden“, sagt Daniel von Langen, Referent für Arbeitsmedizin in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). Immerhin gehörten psychische Erkrankungen zu den Hauptursachen für Langzeitkrankenstände und seien die häufigste Ursache von Frühpensionen. Von Langen: „Von Arbeitsbedingungen, die auch die psychische Gesundheit fördern, profitieren Mitarbeitende und Betriebe gleichermaßen.“

Häufige psychische Belastungsfaktoren in der Arbeitswelt sind geringer Tätigkeitsspielraum und fehlende Entscheidungsfreiheit, schwierige Kommunikation, Umstrukturierungen und damit verbundene Angst vor Arbeitsplatzverlust, Mobbing, Diskriminierung oder sexuelle Belästigung. Häufig leiden Mitarbeitende unter Zeitdruck und Arbeitsüberlastung. „Eines der größten Risiken für die psychische Gesundheit liegt darin, dass dauerhafte Überlastung oft schon als Normalzustand betrachtet wird. Dieser Trend ist höchst besorgniserregend“, warnt von Langen.

Führungskräfte haben einen direkten Einfluss auf die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeitenden, denn sie tragen die Hauptverantwortung für gut funktionierende Abläufe und Arbeitsorganisation, betonte von Langen. Zudem sollten Arbeitsmediziner:innen bei betrieblichen Arbeitsplatzevaluierungen auch die psychisch belastenden Mängel bei Abläufen, Organisation, Aufgabendichte oder sozialen Beziehungen identifizieren und daraus Maßnahmen ableiten.

Auch der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) machte auf die Wichtigkeit psychischen Wohlbefindens am Arbeitsplatz und die Rolle der Arbeits- und Organisationspsychologie aufmerksam. Die Ergebnisse der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria 2022 zeigen, dass 60% der Erwerbstätigen sich am Arbeitsplatz mindestens einem psychischen Gesundheitsrisiko ausgesetzt fühlen, betonte der BÖP. Und die Belastungen steigen: Digitalisierung und künstliche Intelligenz bringen neue Sorgen mit sich, unter anderem um Arbeitsplatzverlust, Überwachung, Kontrollverlust und Entmenschlichung. „Die Grenze zwischen Privatleben und Beruf verschwimmt, während Konkurrenzdruck, Zeitdruck und Erwartungen zunehmen.“

Auch Arbeitgebende und die Wirtschaft leiden unter den Folgen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz. Laut Fehlzeitenreport 2025 sind 11% aller Krankenstände psychisch bedingt. Diese Zahl ist seit 2018 deutlich gestiegen. Frauen und 25- bis 44-Jährige sind besonders stark betroffen. „Gerade jetzt, wo immer mehr Menschen von Burnout und weiteren psychischen Erkrankungen betroffen sind, sollten dringend Fachexpert:innen einbezogen werden“, betont BÖP-Präsidentin Beate Wimmer-Puchinger. Arbeits- und Organisationspsycholog:innen sind hier die geeigneten Ansprechpartner:innen.“

Aus Sicht des BÖP werden wirksame Maßnahmen wie Betriebliche Gesundheitsförderung und die gesetzlich vorgeschriebene Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz bisher nur unzureichend umgesetzt. „Daher sind die berufsrechtliche Verankerung der Arbeits- und Organisationspsychologie im Psychologengesetz sowie die Verankerung der Arbeitspsychologie als dritte Säule im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz der logische nächste Schritt und absolut notwendig“, betonte der Verband. (APA/tab)