Impfen in Apotheken: Effekt fraglich

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Impfungen in Apotheken sind in Deutschland seit 2022 möglich. An den Impfquoten ändert das allerdings wenig, wie ein aktueller Bericht zeigt. 

Das Impfen in Apotheken, das sich bereits in dutzenden europäischen Ländern erfolgreich etabliert hat, steht in Österreich schon seit Längerem auf der Agenda der Apothekerkammer. Mehr als 2.500 intensiv ausgebildete Apotheker:innen könnten quasi morgen Auffrischungsimpfungen gegen Influenza, COVID-19 oder FSME anbieten, wenn der Gesetzgeber die Basis dafür schafft, betonten Vertreter:innen zuletzt im Herbst. Doch in Deutschland, wo seit vier Jahren in Apotheken geimpft wird, zeigen sich kaum positive Effekte auf die Durchimpfungsrate, wie der Arzneimittelreport der Barmer Krankenkasse jetzt zeigt.  

Die deutschen Influenza-Impfquoten bleiben deutlich hinter den internationalen Zielen zurück. Selbst besonders gefährdete Gruppen werden nicht ausreichend erreicht. Demnach wurden im Jahr 2023 nur 40,8 Prozent ihrer Versicherten ab 60 Jahren gegen Grippe geimpft und damit weniger als in den Jahren 2020 bis 2022, berichtet die Kasse. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Quote von 75 Prozent. Allerdings wurde die Impfquote nur zu 0,5 Prozent durch Impfung in Apotheken und zu 99,5 Prozent durch Impfung in Arztpraxen erzielt. So attraktiv das Angebot der Grippeimpfung in der Apotheke für einzelne Versicherte sein möge, das Problem der dramatisch zu niedrigen Impfquoten löse es nicht, erklärte Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer. 

Besonders gefährlich ist Influenza für Patient:innen in stationärer Pflege und nach Herzinfarkt. Dennoch wurde mehr als die Hälfte dieser Versicherten im Jahr 2023 nicht gegen Grippe geimpft. Die Daten zur Schutzwirkung bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen seien so überzeugend, dass die European Society of Cardiology 2025 die Impfung zur vierten Säule der kardiovaskulären Prävention erklärt habe. „Die unzureichenden Impfquoten dieser Risikopatienten zeigen, dass dieser Erkenntnisfortschritt noch nicht in der Behandlungsrealität angekommen ist. Hier sind Hausärzte gefordert, dies zu erläutern und umzusetzen“, fordert Daniel Grandt, der Autor des Arzneimittelreports. 

Auch bei Pflegebedürftigen ab 60 Jahren wird das WHO-Impfziel von 75 Prozent deutlich verfehlt. Von den Pflegebedürftigen in stationären Pflegeeinrichtungen waren laut Barmer zuletzt 48,9 Prozent geimpft, bei den häuslich Pflegebedürftigen 45,6 Prozent.Ambulant und stationär Pflegebedürftige ab 70 Jahren wurden sogar seltener gegen Influenza geimpft als Versicherte in dieser Altersgruppe ohne Pflegeleistungen. (tab)