Kardiologen-Tipps zum Umgang mit Herzkranken bei Hitze  

Niedriger Blutdruck, hoher Flüssigkeitsverlust und ein möglicher Wirkungsverlust bei Medikamenten – extreme Hitze ist vor allem für herzkranke Menschen gefährlich und kann auch bei Gesunden Herzerkrankungen hervorrufen.

Österreichweit gab es diesen Sommer bereits Hitzephasen, wo es an mehreren Tagen hintereinander über 30 Grad hatte. Bei diesen hohen Temperaturen empfehlen Expert:innen, viel zu trinken und Anstrengungen zu vermeiden. Tut man das nicht, riskiert man einen Hitzeschlag. „Die Körpertemperatur steigt an, was zu einer Erweiterung der Blutgefäße führt, was wiederum den Blutdruck sinken lässt und den Puls nach oben treibt. Im Extremfall kollabiert man“, warnt Peter Siostrzonek, Past-Präsident und Pressereferent der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG). Besonders gefährlich sei dies für herzkranke Personen: „Bei Patient:innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind ein Absinken des Blutdrucks und ein erhöhter Herzschlag besonders ungünstig. Das kann dazu führen, dass das Herz nicht gut genug durchblutet wird und es in Folge zu einem Herzinfarkt kommt. Auch kann es durch den Flüssigkeitsverlust in Verbindung mit  Veränderungen des Kalium- und Magnesiumgehaltes des Blutes zum Auftreten von Rythmusstörungen wie zB. Vorhofflimmern kommen“, erklärt Siostrzonek.

Wichtige Vorsichtsmaßnahmen sind eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und das Achten auf den Elektrolyte-Haushalt. „Wenn jemand Entwässerungsmittel nimmt, muss man das bei Hitze berücksichtigen. Auch bei Menschen, die blutdrucksenkende Medikamente nehmen, muss möglicherweise die Dosis angepasst werden. Das sollte aber nur in Abstimmung mit dem Arzt oder der Ärztin passieren, nie selbstständig“, mahnt Siostrzonek. Das bestätigt auch Kardiologe und Intensivmediziner Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Ältere Menschen seien an heißen Tagen angehalten, genügend zu trinken, aber auch nicht zu viel. Denn eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr kann gerade bei Patient:innen mit einer Herzschwäche zur Verschlechterung der Herzleistung führen. „Herzpatient:innen sollten deshalb ihre Trinkmenge, aber auch die Medikamenteneinnahme, mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin abstimmen. Tägliches Wiegen hilft zum Beispiel bei Herzschwächepatient:innen, die richtige Trinkmenge festzulegen“, erklärt Voigtländer in einer Aussendung.

Den Patient:innen wird am besten empfohlen, sich morgens vor dem Frühstück und nach dem ersten Gang zur Toilette abzuwiegen. Bei großer Hitze lässt sich durch zusätzliches Wiegen am Abend die Flüssigkeitsbilanz über den Tag grob einschätzen: Ist das Körpergewicht um mehr als 500 Gramm angestiegen, ist die tägliche Trinkmenge zu hoch. Bei hohen Temperaturen solle man am besten Mineralwasser, Kräutertee oder verdünntem Fruchtsaft trinken. Von Alkohol sollte abgeraten werden. Die Getränke sollten außerdem nicht zu stark gekühlt werden, da sonst die Wärmeproduktion im Körper angeregt wird. (kagr)