Martin Rümmele ist Chefredakteur von Relatus. Jetzt kommt der Schwall an Impfstoffen: diese Woche wurden 1,24 Millionen Impfdosen geliefert. Den Bundesländern gehen langsam die Impfwilligen aus und sie überlegen Impfpartys. Besser wäre, Hausärzte ausreichend zu beliefern. Das passiert noch nicht in allen Bundesländern.
In Österreich gehen offenbar langsam die Impfwilligen aus. Was vor ein paar Wochen viele nicht glauben wollten, die mehr oder weniger verzweifelt versuchten, einen Stich zu ergattern, scheint Realität: Corona-Impfstoff ist genug vorhanden, die Zahl derjenigen, die sich immunisieren lassen wollen, sinkt offenbar zumindest in manchen Regionen. Einige Bundesländer haben sich damit offensiv auf die Suche nach Impfwilligen begeben, mitunter auf kreative Weise. In Wien richten sich Werbemaßnahmen in Sachen Immunisierung vor allem an die jüngere Generation: Vergangenes Wochenende erfolgte bereits der Auftakt zu sogenannten Impfpartys im Austria Center. Wobei der Ablauf an sich auch für Jugendliche nicht anders ist. Sie durften den Impf-Parcours jedoch begleitet von Live-Musik absolvieren. Sogar impfwillige Fußballfans kommen auf ihre Kosten, denn die EM-Spiele werden im Wartebereich übertragen. Dass es bald zu viel Impfstoff und zu wenig Impfwillige geben wird, zeichnet sich laut dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) zumindest derzeit noch nicht ab. Die Termine seien alle noch sehr gut gebucht, hieß es.
Niederösterreich will – ernst gemeint – aus „Schimpfern Impfer und aus Influencern Impfluencer“ machen. Auf Plattformen wie Youtube, Instagram, Spotify und Facebook werden Einblicke in die Impfzentren gegeben, Informationen zur Impfung kurz und prägnant aufbereitet und Clips und Sujets mit Augenzwinkern präsentiert, die direkt zur Impfanmeldung führen. Das Land Oberösterreich erarbeitet neue Modelle, um das Angebot „niederschwelliger und bürgernäher“ zu machen. „Shoppen und impfen“ soll ein Motto sein – eine Impfkooperation mit Einkaufszentren, teilte LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) in einer Aussendung mit.
Es ist seit Monaten absehbar, dass es irgendwann mehr Impfstoff als Impfwillig gibt. Konzepte dafür wurden wenig entwickelt. Jetzt macht die Politik auf Aktionismus. Nach wie vor sind aber noch nicht überall die Hausärztinnen und Hausärzte eingebunden, die ob ihrer Nähe zu den Menschen wohl die besten „Impfluencer“ sein könnten – immerhin können sie qualifiziert beraten, Ängste nehmen und ihre Patienten aktiv einladen. Und viele haben wohl auch kreative Ideen, die weniger kosten als die Kampagnen der Landespolitiker. In Neumarkt im Mühlkreis (OÖ) startet etwa ein Pilotprojekt für ein niederschwelliges Angebot. Bürgermeister Christian Denkmaier (SPÖ) hat gemeinsam mit dem Gemeindearzt und einem Berater des Gesundheitsministeriums das Konzept entwickelt, sich beim Wirten eine Spritze geben lassen zu können. (rüm)