„Krebsdiäten“ sind ungeeignet bis gefährlich

© Pixabay

Die aktualisierte S3-Leitlinie der deutschen medizinischen Fachgesellschaften bewertet spezielle Diäten für Krebspatient:innen als ungeeignet. Es drohen Probleme bis hin zu Tod durch Mangelversorgung. 

Studien zu Krebsdiäten und Fastenprogrammen zeigen keinen Nutzen, aber ein hohes Risiko für Mangelernährung. Zu diesem Schluss kommen die Fachgesellschaften der deutschen Onkolog:innen und Ernährungsmediziner:innen in einer kürzlich aktualisierten S3-Leitlinie (Onkologische Ernährungsmedizin). Sie stellt für solche Empfehlungen die höchste Qualitätsstufe gemäß der deutschen Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften dar.  

Verlieren Menschen durch eine Krebserkrankung an Gewicht, sei es besonders wichtig, einer Mangelernährung vorzubeugen. Denn der Ernährungszustand hat Einfluss auf Erkrankungsverlauf und Therapie. „Wird nicht rechtzeitig gegengesteuert, drohen Komplikationen, Therapieversagen und im schlimmsten Fall der Tod“, sagte Jutta Hübner von der Universitätsklinik in Jena (Integrative Onkologie). 

Mit elf Empfehlungen ordnet die Leitlinie besondere Ernährungsformen wie vegane, ketogene Ernährung oder die sogenannte Krebsdiät nach Breuß kritisch ein. „Für vegetarische oder vegane Ernährung fehlt noch die Evidenz, um eine Empfehlung dafür oder dagegen auszusprechen. Bis verlässliche Studien vorliegen, ist für onkologische Patienten eine sorgfältige Planung zwingend erforderlich, um Mangelernährung zu vermeiden“, so Hübner.  

Bei der Überarbeitung der Leitlinie nahmen die Expert:innen auch erstmals Bezug auf Ernährung bei chirurgischer Tumortherapie. Die neuen Empfehlungen sehen vor, dass der Ernährungsstatus vor und nach größeren onkochirurgischen Eingriffen mehrfach erhoben wird. Patient:innen, die voraussichtlich über mehrere Tage nach der Operation keine feste Nahrung zu sich nehmen können, sollten umgehend künstlich ernährt werden. Für die Phase vor dem Eingriff empfiehlt die Leitlinie, dass Patient:innen mit hohem Risiko – etwa bei starkem Gewichtsverlust innerhalb kurzer Zeit – zunächst eine Ernährungstherapie erhalten sollten, auch wenn sich dadurch der Operationstermin verschiebt. 

Neu ist auch die Empfehlung, in der Palliativversorgung wiederholt zu prüfen, ob eine Ernährung via Sonde oder per Infusionen dem Therapieziel entspricht. Diese Entscheidung soll regelmäßig gemeinsam mit den Betroffenen und Betreuenden evaluiert werden.Entscheidet sich eine an Krebs erkrankte Person, die Ernährung einzustellen, sollten immer ernährungsmedizinische Fachkräfte beigezogen werden. (APA/tab)