Meinung: Künstliche Intelligenz – „Die Macht sei mit dir“

Kolumne „Klein Anzeiger“ von Priv.-Doz. Univ.-Lektor Dr. Andreas Klein:

 

Künstliche Intelligenz (KI), darin besteht Konsens, wird grundlegende gesellschaftliche Umformungsprozesse bewirken. Auch Medizin und Gesundheitswesen sind und werden umfangreich davon tangiert. Die Potenziale von KI-Konzepten sind bereits absehbar, wobei IBMs Watson hier lediglich als „ein“ Eyecatcher fungiert.

Einer der Vorzüge von Deep Learning, Big Data und Content Analytics liegt bereits darin, exzellent in Mustererkennungsprozessen sein zu können. Schon aktuelle Systeme ermöglichen in Sekunden enorme Datenmengen treffsicher auf ganz bestimmte Marker hin zu analysieren und etwa bestimmte Proteine in umfangreichen Bildmengen von Zellen herauszufiltern. Experten bleiben da weit zurück. Andere KI können Haut- oder gar Darmkrebs besser als ihre menschlichen Partner identifizieren, weitere Herzinfarkte sehr genau prognostizieren, oder Arthrose, oder sogar Psychosen oder Demenz. Das Feld ist hier ganz weit offen und als künftige Unterstützung bei Therapiefindungsprozessen geradezu unentbehrlich. Aufhorchen lassen sollte die Rede von Automated Decision Making, wonach KI nicht nur Diagnosen, sondern auch passende Therapien evidenzbasiert vorgibt. Das tangiert freilich die ärztliche Entscheidungshoheit. Radiologie etwa ist geradezu ein Paradeeinsatzgebiet für KIs. Wie werden sich aber künftig ärztliches Erfahrungswissen gegenüber KI-Entscheidungen ausnehmen? Wer haftet wofür? Und was, wenn KI Patienten in der Tiefe ihrer Lebensbereiche (bis in den Online-Verkehr) „durchleuchten“, um passgenaue Profile mit individualisiertem Risikopotenzial und gesundheitskonformen Verhaltensanweisungen zu erstellen? Es ist nicht zufällig, dass die EU derzeit „Ethics Guidelines for trustworthy AI“ erstellen. Zudem haben KI das Potenzial, menschliche Sprache immer besser zu verstehen und darüber hinaus selbstlernend zu sein – ein fundamentaler Unterschied zu früheren Algorithmen.

Vorrangig ist derzeit die sogenannte schwache KI im Entwicklungsfokus, aber auch Emotionserkennung durch Gesichts-Scan wird längst beforscht. Ein gut gemeinter Rat: Belassen wir es bei schwacher KI und begrenzen mit ethischer Reflexion, wertebasiert, klar die Einsatzszenarien.