Ministerium legt neuen Plan zur Krebsbekämpfung vor

© BMASGPK/David Habermann

Gesundheitsministerium und die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) haben das erstmals überarbeitete Krebsrahmenprogramm vorgestellt. Relatus kennt die Details. 

Mehr qualitätsgesicherte Screenings, eine stärker vernetzte Patient:innenversorgung und mehr Gesundheitsförderung sollen die Bekämpfung von Krebs in Österreich erleichtern, gaben das Gesundheitsministerium und die GÖG bei einer Pressekonferenz am Freitag bekannt. Der Plan soll die Richtung für die Krebsbekämpfung bis 2035 vorgeben – gesetzlich bindend ist er aber nicht. Man brauche vor allem „ein Kontinuum für die Patienten, die wir betreuen“, erklärte der Wiener Internist Felix Keil. Das heißt, dass Erkrankte von der Diagnose bis zur Rehabilitation einen konkreten Fahrplan bekommen und zwischen den Krankenanstalten über wesentliche Behandlungsschritte ausführlich informiert werden sollen. GÖG-Abteilungsleiterin Karin Eglau stellte indes die Ausweitung von sogenannten „cancer nurses“ in Aussicht – also diplomierte Pflegepersonen, „die sich speziell in der onkologischen Versorgung weiterentwickeln“. Auch Kommunikationstrainings für Onkologie-Fachleute und die Dokumentation der Patientendaten sollen ausgebaut werden. 

Die Zahl der Krebsdiagnosen in Österreich ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen, wie auch die Statistik Austria zuletzt bestätigte. Anfang 2025 seien hierzulande rund 409.000 Menschen betroffen gewesen. Zu erklären sei die Entwicklung einerseits durch die Alterung der Bevölkerung, andererseits durch die steigenden Überlebenschancen. Mitte Jänner prognostizierte die Statistik Austria einen jährlichen Anstieg der Krebsneuerkrankungen auf mehr als 56.000 bis zum Jahr 2045. 

Auf die Frage nach einer Überlastung der Onkologie-Abteilungen verwies Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) auf eine aktive Krebsprävention, die ebenfalls Bestandteil des Krebsrahmenprogramms 2026 bis 2035 ist: „Wir müssen schauen, dass Krebs nicht entsteht. Das ist eine Vorsorgefrage.“ Viele Erkrankungen seien vermeidbar, „durch Bewegung, gesunde Ernährung, Rauchstopp und durch informierte Entscheidungen“. Auch moderne Therapien würden „mit Ernährung und Bewegung besser“, ergänzte der Wiener Facharzt Keil. Das sei „ganz evident“. 

Dennoch wisse man von aktuellen „Schwachstellen“ in den öffentlichen Krankenanstalten, gestand die Ressortchefin ein. „Natürlich ist die Frage des Zurückdrängens der Privatisierung im Gesundheitssystem eine wesentliche“, betont Schumann. „Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie wir die Berufsbilder auch neu aufstellen können.“ Neben der Prävention sei ebenfalls die Früherkennung ausschlaggebend, die etwa durch „die Weiterentwicklung organisierter Screening-Programme“ vorangetrieben würde. 

Krebs sei heute eine oft gut behandelbare chronische Krankheit, so GÖG-Expertin Eglau, „und die Leute leben 20, 30 Jahre mit ihrer Krebserkrankung“. Deswegen sei auch eine entsprechende Nachversorgung wesentlich. Kritik kam seitens der „Allianz onkologischer Patient:innenorganisationen“. Viele ihrer Forderungen hätten zwar den Weg ins Rahmenprogramm gefunden, aber „man muss sich nicht daran halten“, merkt Obfrau Anita Kienesberger an. In anderen EU-Ländern gebe es dagegen nationale Krebspläne, die bindend sind. (red/APA)