Mit Alkohol gegen Depressionen

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Die Österreicher:innen setzen Alkohol oft zur Bewältigung depressiver Verstimmungen ein. In einer aktuellen Studie zeigten 21 % der Erwachsenen Zeichen von Alkoholmissbrauch.  

Ex-Bundesklanzler Karl Nehammer (ÖVP) lag offenbar nicht so falsch, als er im Umgang mit Krisen von Alkohol und Psychopharmaka dilettierte. Eine neue Analyse hat nun das Zusammenspiel von Alkoholmissbrauch, psychischen Symptomen und Alter untersucht und nutzte dabei Netzwerkanalysen, um diese Zusammenhänge zu modellieren. Dafür wurden die Daten von 2.007 Proband:innen aus einer im vergangenen Frühjahr publizierten Untersuchung zu psychischer Gesundheit und dem Gebrauch von Smartphones herangezogen, bei der auch der Alkoholgebrauch, depressive Symptome, Angstzustände, Schlafstörungen und Stress erfasst wurden.  

„Alkoholmissbrauch wird zunehmend als eine maladaptive Form der Affektregulation verstanden“, resümmierten Marina Zeldovich von der Fakultät für Psychotherapiewissenschaft der Sigmund Freud Universität in Wien und Forschende anderer Universitäten.„Insgesamt wiesen 21 Prozent der Teilnehmenden ein positives Screening-Ergebnis für Alkoholmissbrauch auf.“ Die Analysen zeigten, dass Personen mit Verdacht auf Alkoholabhängigkeit höhere Werte für Depression, Angst, Stress und Schlaflosigkeit angabenund jünger waren. Mit steigendem Alter wurde der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und psychischer Belastung schwächer. Signifikante Geschlechterunterschiede konnten nicht festgestellt werden.  

Die aktuellen Ergebnisse stützen frühere Aussagen des Wiener Psychiaters und ehemaligen ärztlichen Leiter des Anton Proksch Instituts, Michael Musalek: „Die allermeisten Menschen trinken in Österreich nicht, weil es so gut schmeckt, sondern weil sie die Wirkung der Substanz Alkohol brauchen. (…) In den vergangenen Jahren ist immer deutlicher geworden, dass Depressionen und Burn-out nicht so sehr die Folge einer Alkoholkrankheit sind, sondern dass sie die Ursachen eines hohen Alkoholkonsums sind.“Dabei ist Alkohol in höheren Dosen selbst depressionsfördernd, was oft einen Teufelskreis in Gang setzt, betonen Expert:innen. (APA/tab) 

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