Neue Daten zu offenen Kassenstellen 

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Ende Juni waren 333 Kassenarztstellen unbesetzt. Das geht aus einer parlamentarischen Anfrage an die Gesundheitsministerin hervor. Die ÖGK wiederum betont, dass 97 % der Stellen besetzt sind. 

In der Anfrage hatte der FPÖ-Abgeordnete Gerhard Kaniak Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) nach dem Ärztemangel im Kassensystem, den Maßnahmen zur Besetzung offener Kassenstellen und den Folgen der bevorstehenden Pensionierungswelle gefragt. Als zentrale Maßnahme nennt Schumann in ihrer Antwort nun das seit Jänner 2024 geltende Gesundheitsreformmaßnahmen-Finanzierungsgesetz. Damit wurden 100 zusätzliche ärztliche Vertragsstellen in acht Fachgebieten geschaffen. Für schwer besetzbare Stellen in Allgemeinmedizin, Kinder- und Jugendheilkunde sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe wurde ein Startbonus von bis zu 100.000 Euro eingeführt. Die zusätzlichen Stellen können zudem flexibler besetzt werden, etwa durch die Anstellung von Ärzt:innen bei Vertragsärzt:innen, in Vertragsgruppenpraxen oder Primärversorgungseinheiten.

Nach Angaben der Ministerin haben diese Maßnahmen bereits zu konkreten Besetzungen geführt. „Auf Basis der Maßnahme der zusätzlichen ärztlichen Vertragsstellen konnten bis 18.05.2026 bereits 75 Kassenstellen besetzt werden“, heißt es in der Anfragebeantwortung. Zudem verwies die Ministerin auf die finanzielle Absicherung: Im Rahmen der Vereinbarung über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens stelle der Bund von 2024 bis 2028 jährlich zusätzliche 300 Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel sollen insbesondere in zusätzliche Kassenstellen und den Ausbau der Primärversorgung fließen. Über die Gesundheitsreformfonds seien außerdem für den Bereich „Versorgung“ 2026 insgesamt 310 Millionen Euro und 2027 312 Millionen Euro vorgesehen.

Auf die Frage, wie die Tätigkeit mit Kassenvertrag gegenüber einer Wahlarztpraxis attraktiver gemacht werden könne, verweist Schumann zunächst auf die Krankenversicherungsträger. Diese seien im Rahmen ihrer Selbstverwaltung dafür zuständig, entsprechende Anreize zu schaffen. Unter anderem würden sie bereits angehende und fertig ausgebildeten Ärzt:innen über berufliche Perspektiven im Kassenbereich informieren. Darüber hinaus sieht das Regierungsprogramm mehrere Maßnahmen vor. Geplant sind ein neuer einheitlicher Leistungskatalog und ein darauf aufbauender Gesamtvertrag mit einer modernen Leistungsabgeltung. Auch der bürokratische Aufwand soll reduziert werden, etwa durch erleichterte Dokumentationspflichten und eine stärkere Nutzung digitaler Möglichkeiten.

Wenig konkret blieb die Ministerin bei der bevorstehenden Pensionierungswelle. Laut Analysen werden zwischen 2025 und 2030 österreichweit rund 20 Prozent der niedergelassenen Vertragsärz:tinnen und -ärzte in den Ruhestand gehen. Ab 2030 sei wieder mit einem Rückgang der Pensionierungen zu rechnen. Um diese Entwicklung besser steuern zu können, sei im Rahmen der Zielsteuerung Gesundheit eine Ist-Analyse sowie der Aufbau eines Monitorings vereinbart worden. Auf Basis dieser Daten sollen Prognosen zum künftigen Personalbedarf erstellt werden, hieß es.

Die ÖGK meldete in einer Aussendung, dass die rund 10.300 Planstellen derzeit zu mehr als 97 Prozent besetzt sind. Regional betrachtet fehlen die meisten Fachärzt:innen in Tirol (6,5 Prozent offen), im Burgenland die meisten Allgemeinmediziner:innen (4 Prozent). Österreichweit sind laut ÖGK-Stellenplanmonitoring – Stand 1. August – 94 Allgemeinmedizinplätze nicht besetzt oder gebunden (also bereits vergeben oder reserviert). Bei den Fachärzt:innen sind es 92. Größer ist die Lücke in der Zahnmedizin, wo der Besetzungsstand rund 91 Prozent beträgt und 242 Plätze zu haben wären.

Wie die ÖGK weiter erklärte, sei neben dem quantitativen Ausbau selbst besonderes Augenmerk darauf gelegt worden, neue und innovative Versorgungsangebote neben klassischen Einzelordinationen und Gruppenpraxen zu etablieren. Dazu zählten insbesondere 126 neue Primärversorgungseinheiten für Basisversorgung sowie 37 fachärztliche Zentren. Bei den Facharztzentren gehe es um die Konzentration eines spezifischen Angebotes für bestimmte Bevölkerungsgruppen, Krankheitsbilder und Chronikerversorgung mit einem hohen Grad an Spezialisierung, erweiterten Öffnungszeiten und einer umfassenden Struktur. Kritik kam von Grünen-Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner. “Wenn 97 Prozent der Kassenstellen besetzt sind und die Menschen trotzdem wochen- oder monatelang auf einen Termin warten, dann kann man sich diese Zahl nicht einfach als Erfolg umhängen. Im Gegenteil: Dann zeigt sie ziemlich deutlich, dass unser Problem längst nicht nur die Zahl der besetzten Kassenstellen ist, sondern die Art, wie wir Versorgung in Österreich organisieren”, betonte er in einer Aussendung. Auch die Wiener Ärztekammer wies darauf hin, dass eine Verbesserung der Versorgung in Mangelfächern dringend notwendig sei. (tab/rüm/APA)