ÖGK und MedUni Wien gehen gegen Corona-Kritiker vor

Nach dem Tod eines Patienten, der mit einem Entwurmungsmittel behandelt worden war, kündigt die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) nun an, gegen Ärzte vorzugehen, die Corona leugnen und die Impfung ablehnen.

Nach der Ärztekammer, die zuletzt impfkritische Ärzte aufgefordert hatte, sich an fachliche Empfehlungen und Vorgaben des Nationalen Impfgremiums (NIG) halten zu müssen, kündigte ÖGK-Obmann Andreas Huss am Donnerstag in einer Pressekonferenz für Mediziner, die das nicht tun, den Entzug des Kassenvertrages an. Heftige Kritik übte er in diesem Zusammenhang an einem Arzt aus Salzburg, der einem Patienten ein Entwurmungsmittel verschrieben haben soll, und der dann verstorben sein soll. Huss kündigte an, dass man in diesem Fall „rasch und mit voller Härte“ vorgehen werde. Man werde nicht zuschauen, wenn Patienten gefährdet werden. Nun gehe es zunächst darum Beweismaterial zu sichern, das dann der Staatsanwaltschaft übergeben werde.

Die Staatsanwaltschaft Salzburg hatte davor erklärt, es gebe Anzeigen gegen mehrere Ärzte und gegen einen Apotheker, die das Entwurmungsmittel Ivermectin an Patienten verschrieben beziehungsweise ausgehändigt haben sollen. Dabei hat auch der Hersteller bereits mehrfach davor gewarnt, das Produkt bei Covid-19 einzusetzen, weil es bei höheren Dosen toxisch sei. Huss nannte generell drei Möglichkeiten, um gegen Ärzte vorzugehen, die sich nicht an Empfehlungen halten. Wenn Patienten zu Schaden kommen, könne das Strafrecht zur Anwendung kommen. Weiters gebe es disziplinäre Möglichkeiten der Ärztekammer, die bis zu einem Verbot der Berufsausübung reichen. Und schließlich könne die ÖGK den Kassenvertrag entziehen. Für solche Ärzte könne es keine Verträge geben, betonte der ÖGK-Obmann. Er habe „wenig Verständnis“, wenn Ärzte gegen die Impfung auftreten. Die Impfung sei die einzige Möglichkeit, aus der Pandemie herauszukommen. Michael Jonas, Präsident Ärztekammer Vorarlberg, warnte in einem Interview mit „Vorarlberg LIVE“ Berufskollegen: „Wissenschaft kann nicht frei interpretiert werden“.

ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer übte gleichzeitig heftige Kritik an den Protesten der Impfgegner. Die 5.000 Beschäftigten der ÖGK-Gesundheitseinrichtungen und auch alle anderen Beschäftigten des Gesundheitswesens hätten es sich nicht verdient, bedroht zu werden, wenn ihnen Angst gemacht werde und vor den Häusern Demonstrationen abgehalten werden. Die Beschäftigten könnten stolz auf ihre Leistungen sein, betonte Wurzer.

Die MedUni Wien hat indes den wiederholt als Massnahmen-Kritiker in Erscheinung getretenen Leiter der Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin am Zentrum für Public Health, Andreas Sönnichsen, gekündigt und dienstfrei gestellt, bestätigte man auf APA-Anfrage einen Bericht des „Standard“. Grund dafür sei die Nicht-Einhaltung von Coronamaßnahmen sowie die Nichtbefolgung von Weisungen. Sönnichsen äußerte sich seit dem Vorjahr mehrmals medial gegen die Anti-Coronamaßnahmen und Impfungen. Er zeigte zudem in sozialen Medien Sympathien für die deutsche Kleinpartei „Die Basis“, die von deutschen Medien als politischer Arm der Querdenkerbewegung bezeichnet wird. Die Uni reagierte jeweils mit einer Distanzierung. Die Gründe für die Kündigung, die am 1. März 2022 wirksam wird, seien aber nicht seine Aussagen. Für diese gelte wie bisher auch die Freiheit der Wissenschaft, hielt man an der Uni fest. Sönnichsen habe sich aber nicht an die Corona-Vorgaben gehalten und offenbar auch Studierende aufgefordert, diese zu ignorieren. Darüber hinaus seien Weisungen nicht befolgt worden. Von Sönnichsen gab es dazu keine Stellungnahme. In einem offenen Brief an Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres hatte er davor kritisiert, dass dieser „gegen die Grundprinzipien der evidenzbasierten Medizin und der ärztlichen Behandlungsfreiheit“ verstoße, und „gewissenhaft arbeitenden Kolleginnen und Kollegen pauschal Disziplinarstrafen“ angedroht habe. (red)