Psychotherapie auf Kassenkosten soll ausgebaut werden

Psychotherapie auf Kassenkosten soll deutlich ausgebaut werden: Der Verwaltungsrat der österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) will 20.000 zusätzliche Plätze für Psychotherapie anbieten.

Ab dem nächsten Jahr im Herbst soll der Plan fertig sein. Das ist jedenfalls das Ziel von Andreas Huss, Vertreter der Arbeitnehmer, der ab Juli den Vorsitz im Verwaltungsrat der ÖGK übernehmen wird, berichtet der ORF. Erfreut über den Beschluss der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) zeigte sich Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Sein Ziel sei es, darauf aufbauend, „das System der psychotherapeutischen Versorgung generell schrittweise zu verbessern und schlussendlich für alle zu ermöglichen“. Teilweise gebe es lange Wartezeiten auf Therapieplätze und in Zeiten der Coronakrise deutlich mehr Betroffene und infolge einen höheren Bedarf, diagnostizierte der Ressortchef. Bei der Bewältigung der Krise sei daher entscheidend, ein ausreichendes Angebot für betroffene Menschen zu schaffen.

Auch der Grüne Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner begrüßt den Beschluss der ÖGK. Gleichzeitig weist aber der Grüne Gesundheitssprecher auf die noch wartenden offenen Baustellen in der Frage der psychologischen und psychotherapeutischen Gesundheitsversorgung Österreichs hin. Insbesondere das Nutzen des Angebots aller involvierten Berufsgruppen – Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater – sei auch weiterhin für die Grünen ein zentraler Dreh- und Angelpunkt einer möglichen Reform, stellt er klar. „Gerade ein Ausbau der Versorgung, ein aktives Clearing zu Beginn einer möglichen Therapie und niederschwellige Angebote bei Bedarf, sind ebenso Eckpunkte für die Grünen wie auch die Frage einer Kostenübernahme durch die Krankenversicherungen.

Der Bundesverband für Psychotherapie ÖBVP fordert Anschober sowie die Sozialversicherung in einer Aussendung auf, „jetzt nicht locker zu lassen, da durch die Coronakrise der Bedarf an Psychotherapie massiv steigen wird“. Man fordere mehr leistbare Plätze. Die Erhöhung sei ein erster Erfolg. „Bis zu einer angemessen psychotherapeutischen Versorgung für die Österreicherinnen und Österreicher ist allerdings noch einiges zu tun“, meinte ÖBVP-Präsident Peter Stippl. Auch der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) hat den Vorstoß begrüßt. Gleichzeitig wies der BÖP darauf hin, dass dieser Schritt „der von der Regierung angekündigten grundlegenden Reform der psychischen Versorgung in Österreich vorgreift und die Psychologie nicht mit einbezieht.“ (red)