Psychotherapeuten fordern Ende der Kontingente

Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie thematisiert den steigenden Bedarf an Psychotherapie und appelliert an die Politik, die Rahmenbedingungen zu schaffen. Unterstützung kommt von den Grünen.

Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) hat eine Aktionsphase, ein Maßnahmenpaket und die Forderungen der Kampagne „#mehrpsychotherapiejetzt“ vorgestellt. Ziel der Kampagne ist es, mehr kassenfinanzierte Psychotherapieplätze zu erreichen, die Kontingentierung abzuschaffen und die Behandlung psychischer Leiden aus dem Tabubereich zu holen. ÖBVP-Präsident Dr. Peter Stippl: „Wir brauchen mehr Psychotherapie jetzt. In Österreich ist die Versorgung immer noch zu stark an die Geldbörse geknüpft oder mit langen Wartezeiten verbunden. Gerade die Corona-Krise zeigt, wie belastet die Menschen durch Stress, Druck und Angst sind. Mit der Kampagne ergreifen wir die Initiative und fordern von den Verantwortlichen, dass sie jetzt handeln müssen.“

Beatrice Frasl, Podcasterin und Erfahrungsexpertin berichtet: „Stell dir vor, du gehst mit einer Grippe zu deiner Hausärztin und dort erfährst du, dass du nicht behandelt werden kannst, weil es nur ein Kontingent für zehn Grippepatienten gibt und das sei bereits ausgeschöpft. Undenkbar? Für Menschen mit psychischen Erkrankungen steht genau das an der Tagesordnung.“ Psychotherapeut Mag. Richard Rogenhofer beschreibt die Situation in Wien so: „Die Wartezeiten sind enorm: Schon Ende des Frühlings sind die freien Plätze fürs restliche Jahr alle weg. Menschen in Österreich, die psychotherapeutische Behandlung benötigen, sollten diese auch rasch und unbürokratisch erhalten.“

Im Rahmen der Kampagne „#mehrpsychotherapiejetzt“ etabliert der ÖBVP den Tag der Psychotherapie am 20. November. „Am 20.11. werden in ganz Österreich Veranstaltungen und Aktionen stattfinden, die sich mit psychischer Gesundheit beschäftigen und die Barrieren zur Psychotherapie abbauen. Denn Psychotherapie ist bei seelischem Leiden das Mittel der Wahl – und das seit über 100 Jahren“, sagt Stippl. Der Grüne Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner begrüßt den Vorstoß als Beitrag zur Debatte, die mit einem Runden Tisch bei Minister Anschober am 22. September beginnen werde. Das Ziel der Gespräche sei es, rasch den Zugang zu Psychotherapie und psychologischer Hilfe niederschwellig, qualitätsvoll und vor allem für alle Menschen im Land gleichermaßen zu gewähren. „Es braucht Angebote überall dort, wo die Menschen leben und ihren Lebensmittelpunkt haben. Es braucht Angebote, die sich am Bedarf der Menschen orientieren. Und es braucht Angebote, die niederschwellig Menschen in ihren jeweiligen Situationen abholen. Psychischer Druck ist allgegenwärtig und bestimmt das Gesundheitsbild unseres Landes immer nachhaltiger. Auch ohne Corona-Krise haben wir Handlungsbedarf, jetzt umso mehr und umso dringender“, sagt Schallmeiner. Wichtig sei alle Berufsgruppen in diesem Bereich gleichermaßen in diese Diskussion einbinden und zum Teil der Gesamtlösung machen. (red)

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