© Robert Przybysz – stock.adobe.com Eine neue Studie stellt bisherige Kontrollintervalle nach Entfernung von riskanten Darmpolypen auf den Prüfstand. Die Ergebnisse könnten die künftige Darmkrebs-Vorsorge verändern.
Nach der Entfernung bestimmter Darmpolypen wird derzeit häufig bereits nach drei Jahren eine Kontroll-Koloskopie empfohlen. Eine große europäische Studie mit Beteiligung der Medizinischen Universität Wien am AKH Wien zeigt nun, dass eine erste Kontrolle nach fünf Jahren hinsichtlich des Darmkrebsrisikos nicht schlechter abschnitt als eine Kontrolle nach drei Jahren. An der EPoS-II-Studie nahmen 10.799 Patient:innen aus acht europäischen Ländern teil. Co-Autorin ist Monika Ferlitsch von der MedUni Wien.
Untersucht wurden Patient:innen, bei denen sogenannte Hochrisiko-Adenome entfernt worden waren – gutartige Darmpolypen, aus denen sich Darmkrebs entwickeln kann. Die Teilnehmenden wurden zwei Gruppen zugeteilt: In einer Gruppe erfolgte die erste Kontrollkoloskopie nach fünf Jahren, in der anderen nach drei Jahren. Die Ergebnisse: Nach fünf Jahren lag das Darmkrebsrisiko bei 0,77 Prozent in der Gruppe mit späterer Kontrolle und bei 0,82 Prozent in der Gruppe mit Kontrolle nach drei Jahren. Damit erfüllte das Fünf-Jahres-Intervall das vorab festgelegte Kriterium der Nicht-Unterlegenheit. Auch bei den Tumorstadien zum Zeitpunkt der Diagnose zeigte sich kein erkennbarer Unterschied. Gleichzeitig waren deutlich weniger Koloskopien nötig: In der Gruppe mit Fünf-Jahres-Intervall wurden während des Untersuchungszeitraums rund 49 Prozent weniger Untersuchungen durchgeführt.
Die Ergebnisse könnten dafürsprechen, die bisherigen Kontrollintervalle nach Entfernung von Hochrisiko-Adenomen neu zu bewerten. „Wenn sich diese Ergebnisse langfristig bestätigen, könnten vielen Patient:innen zusätzliche Koloskopien erspart werden, ohne die Sicherheit zu verringern. Entscheidend bleibt eine qualitativ hochwertige erste Untersuchung, bei der alle relevanten Polypen vollständig entfernt werden“, sagt Monika Ferlitsch, Vorständin der Abteilung für Innere Medizin mit Gastroenterologie, Akutgeriatrie/Remobilisation an der Klinik Floridsdorf.
Allerdings handelt es sich bei den veröffentlichten Daten um eine Zwischenanalyse nach fünf Jahren. Die entscheidende Auswertung der Studie ist nach zehn Jahren vorgesehen. Eine zweite EPoS-Studie mit 1.861 Patient:innen kam unterdessen zu einem ähnlichen Ergebnis für sogenannte serratierte Polypen: Auch nach deren Entfernung war das Darmkrebsrisiko innerhalb von fünf Jahren niedrig. (tab)
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