Transplantationen: Japaner erlauben Züchtung von Mensch-Tier-Wesen

Japanische Forscher dürfen mit der Züchtung von menschlichen Organen in Tieren beginnen. Ethiker aus Österreich sind gegen eine pauschale Ablehnung der Forschung zu Mensch-Tier-Mischwesen, fordern aber zuerst andere Lösungen für die Transplantationsmedizin.
Das zuständige Gremium des japanischen Wissenschaftsministeriums segnete den Beginn der Forschung mit menschlichen Stammzellen ab, die in Tierembryonen eingepflanzt und von den Tieren ausgetragen werden sollen. Die Erlaubnis bezieht sich jedoch nur auf ein Forschungsprojekt der Universität Tokio. Ziel der Forschung insgesamt ist es, später einmal Menschen zu helfen, die bisher vergeblich auf eine Organspende warten. Ein Forscherteam der Universität Tokio will nun in Embryos von Nagern sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) einpflanzen. Die Embryos seien genmanipuliert, sodass sie keine eigene Bauchspeicheldrüse haben werden. Es sei zu erwarten, dass die heranwachsenden Föten eine Bauchspeicheldrüse aus den menschlichen iPS-Zellen haben werden, so die Ministeriumssprecherin. Die Föten sollen von den Tieren ausgetragen werden. Während der Schwangerschaft solle auch herausgefunden werden, ob sich auch woanders im Körper der Tiere menschliche Stammzellen verbreiten. Zugleich sollen iPS-Zellen auch in Embryonen von Affen und Schweinen eingepflanzt werden. Diese sollen jedoch nicht von den Tieren ausgetragen werden.
Barbara Prainsack von der Uni Wien plädiert dafür, das Problem der Organknappheit politisch anzugehen, bevor man derart „gravierendere Maßnahmen“ ergreift. „Es gibt vieles, was man tun kann, bevor man den Schritt tut und sagt: Ich experimentiere mit Tieren herum“, so die Politikwissenschafterin, die auch in der österreichischen Bioethikkommission sitzt. Weder Recht noch Ethik sei auf ein solches Wesen eingestellt. Und dass mit der Züchtung von menschlichen Organen in Tieren bereits ein solches Zwischenwesen entsteht, steht für Prainsack außer Frage.
Der Bioethiker Ulrich Körtner von der Uni Wien äußert auf science.orf.at ebenfalls keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Experimente, „weil es sich bei diesen Mensch-Tier-Hybriden nicht um werdende Menschen mit Menschenwürde handelt“. Sollten allerdings im Lauf der Embryonalentwicklung menschliche Zellen in das Gehirn des Mischwesens eindringen und dieses menschliche Eigenschaften entwickeln, wäre für ihn „eine ethisch zulässige Grenze überschritten“. (APA)