© ZIHE - stock.adobe.com Der Verwaltungsrat der ÖGK will bis 2029 wieder ausgeglichen bilanzieren. Gleichzeitig soll aber die Zentrale neu gebaut werden. Der Standort am Wienerberg im Süden der Bundeshauptstadt soll bleiben.
Trotz hoher Verluste hat der Verwaltungsrat der ÖGK diese Woche einen Grundsatzbeschluss getroffen, dass man die Zentrale neu bauen will. „Die beiden Gebäude aus den 1970er Jahren haben ihre Lebenszeit inzwischen erreicht, Expert:innen haben in einer umfassenden Projektentwicklungsphase daher über die letzten Monate Szenarien bewertet, wie man den Standort kostenschonend weiterentwickeln und zukunftsfit machen kann“, teilt die ÖGK mit. Durch die Verlängerung der U2 zum Wienerberg und das städtebauliche Entwicklungsprojekt der Stadt Wien sei eine Chance entstanden, den Standort für die Versicherten und auch Mitarbeitenden zu erhalten.
Das Kundencenter, die Landes- und Hauptstelle der ÖGK am Wienerberg in Wien Favoriten sind ein Fixpunkt für tausende Versicherte, die hier Service und Gesundheitsleistungen erhalten. Im Zentrum der Überlegungen stehe die Suche nach „sparsamen, wirtschaftlichen und zweckmäßigen Lösungen – ganz im Sinne der Prinzipien der Sozialversicherung.“ Der projektierte klimaeffiziente Neubau vereine mehrere Synergieeffekte und ermögliche es, die Betriebsstörung möglichst kurz zu halten und Kosten für das Ausweichquartier zu sparen. „Diese Lösung ist günstiger als eine Generalsanierung und umfasst ein modernes Gesundheitszentrum sowie ein erweitertes Angebot von kundenorientierten Services für die Versicherten. Für die Verwaltung soll ein flächeneffizient gestalteter Ort zum Arbeiten entstehen. Ein Teil der Liegenschaft kann verwertet werden.“ Wie viel die ÖGK investiert, wurde nicht bekannt gegeben. Der nächste Schritt ist ein Architektenwettbewerb. Die Bauarbeiten starten frühestens ab 2030.
Das Stadtentwicklungsgebiet Wienerberg ist eine der spannendsten Entwicklungsflächen im Süden Wiens. Durch die geplante U2-Verlängerung zum Wienerberg wird das Gebiet künftig an die Öffis angeschlossen sein. Deshalb besteht die Chance, das gesamte Gebiet neu zu denken und weiterzuentwickeln. Ein entsprechender Visionsprozess hat jetzt gestartet. Im rund 35 Hektar großen Areal befinden sich derzeit etwa 17 Hektar wenig genutzte, jedoch bereits größtenteils versiegelte Flächen.
Die ÖGK betont, sorgsam im Sinne der Versicherungsgemeinschaft hauszuhalten. Die Ausgaben der ÖGK für Versicherungsleistungen sind von 14 Milliarden im Jahr 2019 auf über 21 Milliarden Euro im Vorjahr gestiegen – ein Plus von 50 Prozent. 6,25 Milliarden Euro werden mittlerweile für ärztliche Leistungen ausgegeben, 4,63 Milliarden Euro für Medikamente, rund 6 Milliarden Euro erhalten die Spitäler. Die Einnahmen sinken parallel, „weil die Zahl der Erwerbstätigen demografisch sinkt“ und aufgrund der Rezessionen der vergangenen Jahre. Die Ausgaben steigen vor allem demografiebedingt. „Wir bauen deshalb konsequent Ärztestellen, Primärversorgungszentren und Facharztzentren aus.“ Die OECD bescheinige Österreich aber eine praktisch 100-prozentige Erfüllung aller Patientenbedürfnisse. „Das kann kein zweites Land in dieser Dimension vorweisen“, lobt sich die ÖGK trotz Spardruck. Die Selbstverwaltung der ÖGK habe beschlossen, dass die ÖGK bis 2029 wieder ausgeglichen bilanzieren soll und in die schwarzen Zahlen kommt. „Die knappen finanziellen Mittel der Versicherungsgemeinschaft müssen sorgsam eingesetzt, der Bedarf muss vom Bedürfnis getrennt werden. Das ist ein sehr ambitionierter Plan, aber machbar.“ (rüm)