Abnehmspritzen: Nahrungsergänzung sinnvoll

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Studien zeigen: Bei Langzeitanwendung von GLP-1-Rezeptoragoniste droht ein Nährstoffmangel. Fachleute empfehlen gezielte Beratung und Nahrungsergänzung. 

Die deutsche Pharmazeutische Zeitung hat den aktuellen Wissensstand zum Einfluss der weltweit boomenden Abnehmmedikamente auf die Ernährung der Betroffenen erhoben. Dabei geht es vor allem um Vitamine, die Eisenzufuhr, Kalzium und andere wichtige Nährstoffe. „Semaglutide, Liraglutide oder Tirzepatide wirken auf die Insulinfreisetzung, sie senken aber auch den Glucagonspiegel, drosseln die Magenentleerung und reduzieren den Appetit (…) Entsprechend nehmen Anwender:innen weniger Nahrung zu sich und reduzieren ihre Energieaufnahme um etwa 16 bis 39 Prozent“, heißt es in dem Bericht. 

So waren in einer Untersuchung aus Texas mit Patient:innen vor einer Gelenkersatzoperation, die zuvor GLP-1-RA zur Gewichtsreduktion angewendet hatten, 38 Prozent mangelernährt – gegenüber neun Prozent in der Kontrollgruppe. Auch Albumin- und Präalbuminwerte waren niedriger, was auf eine unzureichende Ernährung und Eiweißversorgung hindeutet.  

Eine mexikanische Forschungsgruppe veröffentlichte kürzlich eine Übersicht von Daten aus sechs klinischen Studien mit fast 481.000 Personen. „Vitamin-D-Mangel war die häufigste Auffälligkeit und trat bei 7,5 Prozent der Patienten nach sechs Monaten und bei 13,6 Prozent nach zwölf Monaten auf. Eisenmangel war häufig; bei GLP-1RA-Anwendern lagen die Ferritinwerte um 26 bis 30 Prozent niedriger als bei Patienten, die SGLT2-Inhibitoren einnahmen. Mehr als 60 Prozent der Anwender nahmen weniger Kalzium und Eisen zu sich als empfohlen. Die Vitamin-D-Zufuhr betrug im Durchschnitt nur 20 Prozent der Empfehlungen. Protein- und Kalziummangel trugen zum Verlust an Muskelmasse bei, während Thiamin- und Cobalaminmangel im Verlauf der Zeit zunahm“, schrieben Jorge Urbina und seine Co-Autoren von der Universität Guadalajara. Personen, die mit den neuen Abnehmmedikamenten behandelt werden, sollten demnach diätetisch beraten und über die Risiken informiert werden, so die Forschenden.  

Die deutsche Pharmazeutische Zeitung weist zudem auf ein weiteres mögliches Problem hin: Die GLP-1-Rezeptoragonisten verringern auch das Durstgefühl, was zusätzlich zu Dehydrierung führen kann. (APA/tab) 

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