© Rümmele Auf der Basis einer neuen Studie fordern Ärztevertreter neuerlich ein Dispensierrecht für alle Ärzt:innen. Apothekerkammer und Apothekerverband halten das für gesundheitspolitisch fahrlässig.
Mit 807 befinden sich laut Österreichischer Apothekerkammer (ÖAK) etwa die Hälfte aller ärztlichen Hausapotheken innerhalb der EU in Österreich. Allein an der vergleichsweisen Häufigkeit dieser „Notabgabestellen für Medikamente“ sehe man, dass es hierzulande keine weiteren davon brauche, betont Raimund Prodroschko, erster Vizepräsident der ÖAK, in Reaktion auf eine neuerliche Forderung der ÖÄK nach einem allgemeinen und freiwilligen Dispensierrecht für alle Ärzt:innen.
Ihre Forderung erhoben Ärztevertreter am Mittwoch auf der Basis einer neuen Studie, erstellt im Auftrag der ÖÄK von Andreas Kreutzer vom Beraternetzwerk Kreutzer, Fischer & Partner. Aus der Studie geht unter anderem hervor, dass eine Zunahme an ärztlichen Hausapotheken eine wirksame Maßnahme sei, um die medizinische Grundversorgung auch in strukturarmen, spärlich besiedelten Regionen dauerhaft abzusichern, was den Patient:innen dort diene.
„Österreichs 1470 öffentliche Apotheken nehmen die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten in guter und bewährter Weise wahr“, heißt es dazu seitens der ÖAK, die auch vor einem Ausbau des Netzes an ärztlichen Hausapotheken warnt. Dieser wäre gesundheitspolitisch fahrlässig, denn er würde den Apotheken ihre wirtschaftliche Basis entziehen und so das Gesundheitssystem schwächen. „Von einer zusätzlichen Verlagerung von Arzneimitteln in die Ordinationen profitiert mit Ausnahme der Ärzt:innen letztlich niemand“, sagt Gerhard Kobinger, zweiter Vizepräsident der ÖAK. Mehr ärztliche Hausapotheken würden nur den Ärzt:innen zusätzliche Einnahmen sichern. Auch der Österreichische Apothekerverband kritisiert die Forderung der Ärztevertreter. Verbandspräsident Thomas W. Veitschegger sagt: „Bei einer durchschnittlichen Öffnungszeit von 20 Stunden der Arztordinationen ist die Medikamentenabgabe in einer Arztordination lediglich ein Teilzeitangebot, das mit der Lebensrealität der Bevölkerung nicht im Einklang steht.“ Die vollinhaltliche Arzneimittelversorgung gebe es nur in der öffentlichen Apotheke mit einer durchschnittlichen Öffnungszeit von 50 Stunden pro Woche.
Ähnlich argumentiert der Österreichische Apothekerverband: „Ein reformbedürftiges Gesundheitssystem mit rückwärtsgewandten Ansätzen kurieren zu wollen, wird uns nicht weiterbringen. Bei durchschnittlich rund 20 Stunden Öffnungszeit ist die Medikamentenabgabe in einer Arztordination lediglich ein Teilzeitangebot, das mit der Lebensrealität der Bevölkerung nicht im Einklang steht. Zudem halten sich Erkrankungen nicht an diese Öffnungszeiten. Was macht eine Patientin oder ein Patient, wenn ein wichtiges Medikament benötigt wird, die Ordination aber schon geschlossen hat?“ spricht Thomas W. Veitschegger, Präsident des Österreichischen Apothekerverbands, einen zentralen Aspekt für die Versorgung der Bevölkerung an. „Wir wollen eine zukunftsfitte Gesundheitsversorgung in Österreich – und die braucht starke öffentliche Apotheken mit einem umfassenden Arzneimittelangebot, dem Know-how Lieferengschwierigkeiten effizient zu lösen und der Expertise neue gesundheitliche Dienstleistungen anzubieten. Modelle, die bestenfalls eine Verlegenheitslösung darstellen, bringen uns hierbei nicht weiter“, so Verbandspräsident Veitschegger weiter. (sst/APA)