© Karin Jähne - stock.adobe.com Eine Umfrage im Vorfeld des Austrian Health Forum (AHF) zeigt: Viele können sich die nötige Gesundheitsversorgung nicht mehr leisten. Rund ein Drittel hat kürzlich aus finanziellen Gründen auf medizinische Leistungen verzichtet.
Beim AHF in Gastein diskutieren am 19. und 20. Oktober mehr als 200 Personen, wie Prävention und eHealth die Gesundheitsversorgung verbessern können. Die von Demox Research unter 1.000 Personen durchgeführte Umfrage macht deutlich, wo aus Sicht der Bevölkerung Handlungsbedarf besteht. 29 Prozent haben in den vergangenen zwölf Monaten auf eine medizinische Leistung verzichtet oder sie aufgeschoben, weil sie zu teuer war. Bei Personen mit Zusatzversicherung waren es 17 Prozent, bei jenen ohne sogar 35 Prozent.
Zudem zeigt sich nur etwa die Hälfte (51 Prozent) mit der Gesundheitsversorgung zufrieden. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Messreihe – im Mai 2019 lag er noch bei 76 Prozent. „Die Unzufriedenheit entsteht aber auch deshalb, weil die Gesundheitsversorgung als Reparaturbetrieb gesehen wird und die Wartezeiten in manchen Bereichen zu lang sind“, betont Christoph Hörhan, Gründer des Austrian Health Forum. Tatsächlich sehen 62 Prozent der Befragten den Schwerpunkt eher bei der Behandlung akuter Krankheiten und nur 28 Prozent bei Vorbeugung und Gesundheitserhalt.
Wie sehr die Wartezeiten den Zugang zur Versorgung erschweren, zeigen weitere Ergebnisse: 75 Prozent der Befragten waren in den vergangenen zwölf Monaten bei einer Fachärztin oder einem Facharzt. Fast die Hälfte davon (49 Prozent) musste mindestens fünf Wochen auf den Termin warten. Eine Zusatzversicherung verkürzt die Wartezeit, löst das Problem aber nicht: Mit Zusatzversicherung erhielten 58 Prozent innerhalb von vier Wochen einen Termin, ohne waren es 44 Prozent. Insgesamt halten 64 Prozent die Wartezeit auf einen Facharzttermin für nicht angemessen.
Dem Thema Prävention messen die Menschen laut der Umfrage großes Gewicht bei. Am häufigsten genutzt wurden bisher die Impfung (70 Prozent), die Gesundenuntersuchung (63 Prozent) und die Zahn-Prophylaxe (62 Prozent). Deutlich weniger Menschen werden über strukturierte Vorsorgeprogramme (21 Prozent), Beratungsangebote (18 Prozent) und Präventionskurse (6 Prozent) erreicht. Impfungen befürworten 73 Prozent der Befragten, 39 Prozent sogar sehr stark. 22 Prozent lehnen sie ab.
Die Bereitschaft, neue Wege in der Versorgung zu gehen, ist groß. So können sich 88 Prozent ein regionales Facharztzentrum als Alternative zum Krankenhaus vorstellen. 60 Prozent wären zudem bereit, für einen rascheren Arzttermin oder eine bestimmte medizinische Anwendung einen vorgegebenen Behandlungspfad einzuhalten, etwa die Anmeldung über die Gesundheitshotline 1450. Auch die Bereitschaft, Gesundheitsdaten für die Forschung zur Verfügung zu stellen, bleibt mit 66 Prozent hoch. (tab)