Herber Rückschlag für Gentherapie

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Nachdem in den USA drei Todesfälle im Zuge einer Gentherapie-Behandlung bekannt wurden, wurde die Auslieferung des Arzneimittels gestoppt. In Europa wurde die Zulassung nun sogar abgelehnt. 

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat eine negative Stellungnahme zur bedingten Zulassung der Gentherapie Elevidys (Delandistrogen Moxeparvovec) zur Behandlung der Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) abgegeben. Die EMA begründete ihre Ablehnung unter anderem mit der fehlenden Nachweisbarkeit einer signifikanten Wirkung auf die Bewegungsfähigkeit nach zwölf Monaten. Zwar wurden bei beiden Studiengruppen – mit Elevidys und mit Placebo – Verbesserungen bei den NSAA-Werten beobachtet, doch der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch nicht signifikant und könnte laut EMA auf Zufall beruhen. Auch in einer analysierten Untergruppe, die scheinbar besser auf die Therapie ansprach, wurde keine überzeugende Wirksamkeit festgestellt. Die EMA stellte klar, dass der Antrag auf eine bedingte Zulassung gestellt worden sei, dieser nun jedoch abgelehnt wurde. 

Die Ablehnung der EMA ist ein weiterer herber Rückschlag für Gentherapien im Allgemeinen, denn sie folgte auf einen ausgesprochenen Auslieferungsstopp der Therapie in den USA. Dort war Elevidys bereits seit 2023 für gehfähige DMD-Patient:innen zugelassen und erhielt später auch eine Zulassung für nicht mehr gehfähige Patient:innen. Nach mehreren Todesfällen durch akutes Leberversagen, die im Zusammenhang mit der Behandlung stehen könnten, wurde die Auslieferung der Therapie allerdings gestoppt. Auch bei einer anderen Gentherapie von Sarepta, dem ursprünglichen Entwickler von Elevidys, kam es zu einem Todesfall während einer Studie. In allen Fällen kam ein AAVrh74-basierter viraler Vektor zum Einsatz, der auch in Elevidys verwendet wird. Die US-Arzneimittelbehörde FDA äußerte neue Sicherheitsbedenken und setzte entsprechende Studien aus.  

Der Schweizer Pharmakonzern Roche, der die von der US-Firma Sarepta entwickelte Gentherapie über einen Kooperationsvertrag in der EU auf den Markt bringen wollte, reagierte enttäuscht auf die Entscheidung der EMA. Levi Garraway, Leiter der medizinischen Abteilung und Chef der Entwicklungsabteilung von Roche, betonte in einer Aussendung den dringenden Bedarf an krankheitsmodifizierenden Therapien für Kinder mit Duchenne in Europa. Obwohl der primäre Endpunkt der Studie nicht erreicht wurde, zeigte Elevidys laut Roche signifikante Verbesserungen bei sekundären Endpunkten und ein konsistentes Sicherheitsprofil. Das Unternehmen kündigte an, weiterhin mit der EMA zusammenzuarbeiten, um einen Weg zur Zulassung zu finden. (kagr/APA)