Neue Ernährungstrends schaffen Milliardenmarkt 

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Gesundheitsbewusstsein, neue Einkaufsgewohnheiten und Klimakrisen verändern den Markt für Lebensmittel und Nahrungsergänzung grundlegend. Eine neue Studie zeigt die zukunftsträchtigsten Bereiche auf.  

Die globale Lebensmittelwirtschaft befindet sich in einer der tiefgreifendsten Umbruchsphasen ihrer Geschichte. Laut der Studie „Future of Food 2.0“ von Strategy&, der Strategieberatung des Consultingriesen PwC, entsteht bis 2035 ein Marktvolumen von rund 3,1 Billionen US-Dollar in innovativen Wachstumsfeldern, die viermal schneller wachsen als die Branche insgesamt.

Überträgt man diese Zahlen auf Österreich, ergeben sich hierzulande Wachstumschancen von bis zu 9,3 Milliarden US-Dollar. Treiber dieser Entwicklung sind der aktuelle Gesundheitsboom, das Bedürfnis nach schneller und bequemer Lebensmittelversorgung sowie Klimarisiken – zusätzlich zu Technologiesprüngen und Künstlicher Intelligenz. Diese Trends verändern grundlegend, wie Lebensmittel angebaut, hergestellt und verkauft werden – von alternativen Proteinquellen über nachhaltige Verpackungen bis hin zu KI-basierten Einkaufsassistenten. Rund 90 % des prognostizierten Wachstums entstehen laut Studie nicht durch zusätzliche Nachfrage, sondern durch strukturelle Verschiebungen –  wie etwa die Substitution knapper Rohstoffe durch aufbereite Abfallprodukte oder die Verwendung alternativer statt konventioneller Proteine.

Dabei zeichnen sich besonders zukunftsträchtige Segmente ab: In der Landwirtschaft boomen etwa Gewächshäuser, die wetterunabhängige Ernten ermöglichen. Auch die Präzisionslandwirtschaft legt zu, da sie die Betriebe widerstandsfähiger und kosteneffizienter macht. In der Herstellung dominieren nachhaltige Verpackungen, deren Marktvolumen auf etwa 430 Milliarden US-Dollar steigt – nicht zuletzt aufgrund strenger EU-Vorgaben. Das größte Umsatzpotential prognostiziert die Studie jedoch im Konsumbereich: Allein das Segment Gesundheit und Ernährung könnte von 490 Milliarden US-Dollar Umsatz heute auf 800 Milliarden im Jahr 2035 steigen. Getrieben wird diese Entwicklung durch den rasanten Aufstieg der GLP-1-Medikamente, die schon heute Portionsgrößen, Sättigungsgefühl und Lebensmittelpräferenzen verändern.

„Die Lebensmittelbranche ordnet sich fundamental neu. Technologiesprünge, Klimarisiken und veränderte Essgewohnheiten stellen vertraute Geschäftsmodelle infrage, während gleichzeitig völlig neue Wertschöpfungsfelder entstehen. Für immer mehr Menschen sind Nahrungsmittel heute nicht mehr nur Mittel zum Sattwerden oder Genuss, stattdessen geht es um Gesundheit, Fitness und Personalisierung“, erklärt Harald Dutzler, Studienautor und Partner bei Strategy& Österreich.

Trotz des Wachstums wird das FoodÖkosystem laut Studie auch in Zukunft von enormen Ungleichheiten geprägt sein. So entwickelt sich ein Großteil der Wachstumsdynamik am Ende der Wertschöpfungskette, also im Handel und Verkauf, während Landwirt:innen und Produzenten die größten Klimarisiken und Kostenbelastungen tragen. Für viele Kleinbetriebe sind Investitionen in Präzisionslandwirtschaft, Digitalisierung oder regenerative Methoden zudem ein großes finanzielles Wagnis.

„Kaum ein Akteur wird den fundamentalen Wandel des Systems allein bewältigen können. Umso wichtiger werden tragfähige Partnerschaften zwischen Landwirt:innen, Technologieanbietern, Verpackungsherstellern, Gesundheitsdienstleistern, Logistik, Handel und politischen Akteur:innen. Nur wenn Fähigkeiten gebündelt, Risiken geteilt und Innovationen gemeinsam entwickelt werden, können Lösungen am Ende skalieren,“ so Harald Dutzler. (tab)

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