© Sandoz / Peter Ginter In einem gemeinsamen Schreiben an die EU-Kommission fordern Gesundheitsministerin und Wirtschaftsminister die Produktion lebenswichtiger Antibiotika in Europa zu stärken.
Angesichts von Engpässen bei essenziellen Medikamenten und geopolitischen Unsicherheiten sieht die Bundesregierung Handlungsbedarf: In ihrem Brief fordern Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) und Wirtschaftsminister Wolfang Hattmannsdorfer (ÖVP) einen koordinierten europäischen Antibiotika-Plan, der die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigen soll – von der Wirkstoffproduktion bis zur Herstellung fertiger Medikamente. Das Schreiben wurde an EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné sowie an Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi übermittelt.
Im Rahmen des „Critical Medicines Act“ der EU sollen zusätzliche europäische Mittel zum Ausbau der Antibiotika- und Wirkstoffproduktion mobilisiert werden. Zudem sollen Versorgungssicherheit und europäische Produktionsstandorte künftig stärker in öffentlichen Vergabeverfahren berücksichtigt werden. Die sichere Versorgung mit kritischen Arzneimitteln müsse stärker in entsprechende EU-Strategien integriert und die Arzneimittelproduktion auch im Fokus des neuen „Industrial Accelerator Acts” zur Förderung von strategischen Industrien stehen, hieß es.
Der „Critical Medicines Act“ ist ein Verordnungsvorschlag, der die Herstellung solcher Medikamente in der EU unterstützen und deren Verfügbarkeit verbessern soll. Konkret geht es etwa um Engpässe bei Antibiotika, Insulin und Schmerzmitteln. Schwachstellen in den pharmazeutischen Lieferketten der EU haben insbesondere die Corona-Pandemie und Russlands Krieg gegen die Ukraine offengelegt.
„Europa braucht jetzt entschlossenes und koordiniertes Handeln. Die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten darf nicht vom Weltmarkt oder geopolitischen Krisen abhängig sein“, betonen Schumann und Hattmannsdorfer in der Aussendung. Das Wirtschaftsministerium habe die Antibiotikaproduktion am Standort Kundl bereits aktiv unterstützt: Im Rahmen der beihilfenrechtlichen Möglichkeiten fördert das Ministerium die Investitionen von Sandoz mit insgesamt rund 50 Millionen Euro – ein Teil davon wurde bereits ausbezahlt. (APA/tab)