RSV noch nicht bei allen angekommen

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Der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) ortet anlässlich der bevorstehenden RSV-Saison Aufklärungsbedarf zum Auslöser von Atemwegserkrankungen.

Mit dem Herbst beginnt in Österreich auch die RSV-Saison, die üblicherweise von November bis April andauert. Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) gilt weltweit als häufigste Ursache schwerer Atemwegserkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern, kann aber auch bei älteren Erwachsenen und Personen mit Vorerkrankungen zu schweren Verläufen führen. Bei jungen Eltern ist das Bewusstsein für RSV in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen – bei älteren Erwachsenen ist die Erkrankung als eigenständiges Krankheitsbild hingegen nach wie vor kaum bekannt, betont der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH). Er macht anlässlich der bevorstehenden Saison auf diesen Aufklärungsbedarf sowie auf die damit verbundenen Krankheitskosten aufmerksam.

RSV gilt weltweit als häufigste Ursache akuter unterer Atemwegsinfektionen bei Kindern unter 5 Jahren. Praktisch alle Kinder durchlaufen bis zu ihrem zweiten Lebensjahr eine RSV-Infektion. Während der Verlauf bei älteren Kindern und Erwachsenen meist einer harmlosen Erkältung ähnelt, kann RSV bei Säuglingen rasch zu schweren Krankheitsbildern wie einer Bronchiolitis oder einer Lungenentzündung führen. In den Jahren 2025 und 2026 (Stand Juli 2026) wurden in Österreich über 2.400 Kinder im Alter von 0 bis 4 Jahren aufgrund einer RSV-Infektion im Krankenhaus behandelt. Fast 80 davon auf der Intensivstation.

Bei Erwachsenen wird RSV in der öffentlichen Wahrnehmung dagegen kaum als eigenständige Krankheitsursache wahrgenommen. Zwar erfasst das öffentlich zugängliche SARI-Dashboard von Gesundheitsministerium, Dachverband der Sozialversicherungsträger und AGES Hospitalisierungen durch schwere akute respiratorische Infektionen wie COVID-19, Influenza, Pneumokokken und RSV. International weisen Fachpublikationen jedoch darauf hin, dass die RSV-Surveillance bei Erwachsenen im Vergleich zu Kindern weiterhin lückenhaft ist: Da eine RSV-Infektion klinisch oft nicht von anderen Atemwegsinfekten wie Influenza zu unterscheiden ist und nicht bei jedem hospitalisierten Erwachsenen mit Atemwegssymptomen gezielt per PCR- oder Antigentest auf RSV getestet wird, wird die tatsächliche Krankheitslast bei Erwachsenen im Vergleich zu Kindern unterschätzt.

Dass die tatsächliche Last dennoch beträchtlich ist, zeigt die vom ÖVIH beauftragte Krankheitskosten-Analyse des Instituts für Pharmaökonomische Forschung (IPF): Rund 3,2 % der österreichischen Bevölkerung erkranken jährlich an einer akuten Atemwegsinfektion durch RSV, 3.301 Personen werden deswegen pro Jahr hospitalisiert, 76 Personen sterben jährlich an den Folgen einer RSV-Infektion. Die im November 2025 vom IPF im Auftrag des ÖVIH vorgelegte Krankheitskostenstudie beziffert die gesamten jährlichen Kosten durch RSV-bedingte akute respiratorische Infektionen in Österreich mit 316,90 Millionen Euro. Davon entfallen 58,15 Millionen Euro (18,4 %) auf direkte Kosten des Gesundheitssystems – vor allem stationäre Aufenthalte und Intensivbehandlungen (40,0 %), Arztkonsultationen (26,6 %)– und 258,74 Millionen Euro (81,6 %) auf indirekte Kosten durch Arbeitsausfälle von Erkrankten und pflegenden Eltern.

Laut Impfplan Österreich 2025/2026 wird für alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison eine passive Immunisierung mit monoklonalen Antikörpern empfohlen. Zwischen April und September geborene Kinder erhalten die Dosis idealerweise vor Beginn der Herbst-/Wintersaison beim Kinderarzt; während der RSV-Saison (Oktober bis März) geborene Kinder werden möglichst noch im Krankenhaus vor der Entlassung immunisiert. Diese passive Immunisierung ist Teil des kostenfreien öffentlichen Kinderimpfprogramms und steht damit für alle Säuglinge unentgeltlich zur Verfügung. Ergänzend dazu kann laut Impfplan Österreich eine aktive Impfung der werdenden Mütter zwischen der 24. und 36. Schwangerschaftswoche das Neugeborene durch die Übertragung mütterlicher Antikörper schützen; sie wird empfohlen, wenn der Geburtstermin in die RSV-Saison (Oktober bis März) fällt. Anders als die passive Immunisierung des Säuglings ist die maternale Impfung derzeit nicht im kostenfreien öffentlichen Impfprogramm enthalten und muss von den Schwangeren selbst getragen werden. Für Erwachsene stehen ebenfalls wirksame aktive Impfungen gegen schwere Erkrankungen der unteren Atemwege durch RSV zur Verfügung. Laut dem Impfplan 2025/2026 wird die Impfung allen Personen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr sowie Personen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr mit erhöhtem Risiko (u. a. chronische Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen, Diabetes, Immunsuppression) empfohlen. Anders als die passive Immunisierung von Säuglingen ist diese Impfung derzeit jedoch nicht Teil des kostenfreien öffentlichen Erwachsenenimpfprogramms. (red)