Vorwort

Das Mammakarzinom gilt nicht zuletzt auf Grund der klassischen Unterscheidung von Hormonrezeptor-positiven und -negativen Tumoren als eine Modellerkrankung für zielgerichtete und individualisierte Therapien, und diese Entwicklung ist nicht zum Stillstand gekommen, gleichzeitig haben Immuncheckpoint-Inhibitoren – das dominante onkologische Thema der letzten Jahre – in der Behandlung von Brustkrebs nur mit Verzögerung Einzug gehalten.

Heute wird versucht, die Aktivität und Verträglichkeit der Behandlung durch die Kombination konventioneller Therapien mit zielgerichteten Medikamenten oder immuntherapeutischen Ansätzen zu optimieren. Bei metastasierter Hormonrezeptor-positiver Erkrankung gelang mit der Einführung der CDK4/6-Inhibitoren eine Verdoppelung des progressionsfreien Überlebens gegenüber alleiniger endokriner Therapie, und das Ziel der Durchbrechung einer endokrinen Resistenz wird durch weitere neue Substanzklassen wie den PIK3Ca-Inhibitoren weiterverfolgt. Mit den PARP-Inhibitoren steht bei Patientinnen mit BRCA-Keimbahnmutation erstmals eine spezifische Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung, die sich durch überlegene Wirksamkeit und Verträglichkeit gegenüber konventioneller Chemotherapie auszeichnet. Ganz rezent erfolgte mit Trastuzumab-Deruxtecan und Tucatinib die Zulassung von gleich zwei Anti-HER2-Substanzen der dritten Generation. Der optimale Einsatz all dieser Medikamente setzt jedoch eine enge Interaktion mit den Kollegen der Pathologie voraus, deren Befunde die Basis jeder Therapieentscheidung bilden. Neben den Fortschritten auf dem Gebiet der Diagnostik und Systemtherapie darf aber nicht vergessen werden, dass die letzten Jahre auch wesentliche Neuerungen auf dem Gebiet der Lokaltherapie erbracht haben, und daher finden Sie in diesem Focus auch Artikel zur onkoplastischen Chirurgie, zum chirurgischen Management der Axilla und nicht zuletzt zur Strahlentherapie, die weiterhin einen unverzichtbaren Bestandteil der Behandlung von Brustkrebs im Frühstadium darstellt.

Die AutorInnen dieses Focus und das ganze Team von Spectrum Onkologie hoffen, dass es uns gelungen ist, für Sie einen spannenden und klinisch relevanten Überblick zum Thema Mammakarzinom zu gestalten!

Bleiben Sie gesund!

AutorIn: Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Rupert Bartsch

Klinische Abteilung für Onkologie
Universitätsklinik für Innere Medizin I
Medizinische Universität Wien


SO 02|2021

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Matthias Preusser, Univ.-Prof. Dr. Markus Raderer
Publikationsdatum: 2021-04-15