Pathologiebefund heute – essenziell für Diagnostik und Behandlung

Die moderne Pathologie hat sich zu einem zentralen diagnostischen Fach entwickelt, das eine entscheidende Grundlage für die Diagnose von Erkrankungen und davon abhängigen therapeutischen Entscheidungen darstellt. Die moderne Pathologie nützt ein breites Spektrum von klassischen morphologischen und immunhistochemischen bis hin zu molekularpathologischen Untersuchungsmethoden.
Bei der diesjährigen Herbsttagung der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie/IAP Austria in Velden von 14. bis 16. September 2017 wird schwerpunktmäßig die Diagnostik von gynäkologischen Tumoren und Geschwülsten des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs wissenschaftlich abgehandelt. Interessanterweise spielen für die Entstehung von gynäkologischen und auch von HNO-Tumoren Virusinfektionen zu einem wesentlichen Prozentsatz eine kausale Rolle.

HPV-Impfung: Mädchen und Buben

In den 1980er-Jahren entdeckte der Wissenschafter und spätere Nobelpreisträger Harald zur Hausen, dass eine Infektion mit einem High-Risk-Typ des humanen Papillomvirus (HPV) ursächlich für die Entwicklung des Gebärmutterhalskrebses ist, wobei der Typ 16 der häufigste dieser HP-Viren ist. Auch bei Karzinomen von Penis, Anus und Mundhöhle ist die sexuelle Übertragung dieser Viren der wichtigste Grund für die Krankheitsentstehung. Die Risikofaktoren hierfür sind die Anzahl der Sexualpartner und ein geschwächtes Immunsystem wie bei HIV/AIDS oder immunsupprimierender Therapie nach Organtransplantation. Aus diesen genannten Gründen setzt sich Harald zur Hausen daher seit Jahren für die Impfung gegen die HP-Virus-Infektion ein und fordert die Impfung nicht nur der Mädchen, sondern auch der Knaben für die Eliminierung dieser HPV-Stämme und HPV-Infektionen.

Mutationsanalysen: Grundlage für Therapie und Therapiemonitoring

Der Nachweis onkogener Viren einerseits, aber auch onkogen wirksamer Mutationen zelleigener Gene andererseits trägt heute nicht nur zum Verständnis der Krebsentstehung bei, sondern bildet die Grundlage der klinisch pathologischen Diagnostik. Darüber hinaus sind sie in Form prädiktiver Marker entscheidend für eine zielgerichtete Tumortherapie. Diese Mutationsanalyse vervollständigt die klinisch pathologische Diagnostik um tumorbiologische Aspekte und bildet gleichzeitig die Grundlage für das Monitoring dieser Therapie. Diese wird teilweise durch nichtinvasive Untersuchungen, als sog. „liquid biopsy“ aus Tumorzell-DNA im Blut, und teilweise in Form von Rebiopsien aus dem Tumorgewebe des Patienten durchgeführt. Das Therapieansprechen wird dynamisch kontrolliert, wodurch frühzeitig das Auftreten von Resistenzmutationen detektiert werden kann und eine entsprechende Therapieänderung durchgeführt wird. Die massive Komplexität zunehmender Vielfalt an genetischer Information aus Tumorgewebe und auch Plasma wird mittels medizinischer Informatik tumorspezifisch ausgewertet und in der Diagnose umgesetzt. Die Bearbeitung des Gewebematerials von Operationspräparaten der Patienten für deren Krankheitsdiagnose bindet den Pathologen auch in die Verantwortung zur Detektion relativ häufiger familiärer Krebserkrankungen wie die im Rahmen des Lynch-Syndroms ein und kann mit geringem routinemä­ßigem Laboraufwand als Screening für möglicherweise notwendige humangenetische Untersuchungen und Beratung flächendeckend umgesetzt werden.

Facharzt für Klinische Pathologie und Molekularpathologie

Der zentralen Rolle der Pathologiebefunde in der Diagnostik und Behandlung verschiedenster Erkrankungen wurde auch von Seiten des Gesetzgebers im neuen österreichischen Ärztegesetz Rechnung getragen. Seit 2015 werden Pathologen und Pathologinnen zum Facharzt bzw. zur Fachärztin für Klinische Pathologie und Molekularpathologie ausgebildet. Für eine interdisziplinäre Spitzenmedizin zum Wohle unserer PatientInnen ist es essenziell, dass genügend Pathologen und Pathologinnen in Österreich ausgebildet werden und diese neben der klinischen Pathologie auch eine qualitativ hochwertige und moderne molekularpathologische Ausbildung erfahren. Derzeit haben wir in Österreich eine hochwertige Pathologieversorgung mit im internationalen Vergleich hohen Raten an entsprechender molekularpathologischer Diagnostik. Die Österreichische Gesellschaft für Pathologie/IAP Austria hat ihrerseits jedenfalls eine Initiative gestartet, verstärkt Nachwuchsförderung zu betreiben. In einer „Juniorakademie“ wird die Ausbildung an den einzelnen Instituten durch zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen und wissenschaftliche Kongresse gefördert und auch finanziell unterstützt. Allerdings muss an dieser Stelle in kritischer Weise darauf hingewiesen werden, dass die Zukunft der modernen Pathologie nur mit entsprechendem Ressourceneinsatz seitens der Spitalserhalter aufrechterhalten werden kann.

AutorIn: Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Klimpfinger
AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Gerald Höfler
AutorIn: Prim. Dr. Christa Freibauer
AutorIn: OA Dr. Wolfgang Hulla

Patho 01|2017

Herausgeber: Österreichische Gesellschaft für Pathologie
Publikationsdatum: 2017-09-08