SP 02|2019

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek

Editorial

  • Was ist der Mensch? – Oder besser: Wie wird ein Mensch möglich?
    Der Mensch ist, was wir alle kennen.“ Dieser Satz des vor ungefähr zweieinhalb Jahrtausenden wirkenden vorsokratischen Philosophen und Universalgelehrten Demokrit verweist uns nicht zuletzt auf die Selbstverständlichkeit, dass wir uns als Menschen selbst kennen und erkennen. Unser Menschsein ist uns ...Weiterlesen ...

Focus: Trauma und psychische Erkrankungen

  • Zusammenhang zwischen Trauma und Psychose bei Ambulanz-PatientInnen mit Migrationshintergrund

    In der vorliegenden Untersuchung bildeten in der Gesamtgruppe traumatisierter Menschen mit Migrationshintergrund PatientInnen mit psychotischer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis mit 3,5 % ein relativ kleines Segment. Sie wurden früher traumatisiert als die übrigen Kranken.

    Es lassen sich zwei Gruppen psychotischer PatientInnen unterscheiden. Die eine Gruppe (Typ A) wurde bereits im Kindesalter traumatisiert, die andere (Typ B) in unmittelbarer zeitlicher Nähe zum Erkrankungsbeginn.

    Die spättraumatisierten PatientInnen boten neben der schizophrenen Symptomatik Teilsymptome einer posttraumatischen Belastungsstörung; Wahn und Halluzinationen zeigten einen inhaltlichen Bezug zum Trauma.

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  • Borderline-Störung als Traumafolge: mögliche Zusammenhänge

    Zahlreiche Studien im Bereich der Traumaforschung vermitteln ebenso wie die klinisch-psychoanalytische Erfassung und Theoriebildung deutliche Zusammenhänge zwischen der Ätiologie und Symptomatik von Traumafolgestörungen und der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS).

    Besonders die Nähe zu Typ-II-Traumata (sequenzielle Entwicklungstraumata) sowie zur komplexen posttraumatischen Belastungsstörung lässt gemeinsame, durch Entwicklungstraumatisierungen ausgelöste Grundprobleme vermuten: Störungen der frühen Interaktion mit der primären Bezugsperson können zu mangelhafter Ausbildung wesentlicher psychischer Grundstrukturen führen.

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  • Trauma und Sucht

    Die Lebensgeschichten von Menschen mit Suchtproblemen sind häufig von oft bereits in der Kindheit beginnenden traumatischen Erfahrungen geprägt.

    Bei vielen Betroffenen können der Einsatz eines Suchtmittels oder andere selbstschädigende, selbstverletzende Verhaltensweisen vor diesem Hintergrund zu einer Überlebensstrategie werden, die nur schwer aufgegeben werden kann, wenn nicht hilfreichere Bewältigungsstrategien an ihre Stelle treten.

    Das Ziel traumatherapeutischen Vorgehens bei Suchtkranken sollte immer auch beinhalten, Stabilisierung einzuleiten, um die Kräfte der Selbstfürsorge zu stärken und damit die Macht der selbstzerstörerischen Impulse zu verringern.

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  • Trauma und Schmerz

    Das bio-psycho-soziale Modell der chronischen Schmerzstörung und der PTBS weist auf der biologischen Ebene deutliche Überlappungen auf.

    In der Definition der PTBS in ICD-10 und DSM-5 sind Schmerzsymptome nicht integriert, sodass es hier zu einer artifiziellen Trennung kommt. Die hohe Komorbidität chronischer Schmerzen mit PTBS zeigt aber, wie häufig beide Symptombereiche verbunden sind.

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Kongress

  • Wrap-Up „Sucht interdisziplinär 2019” Wien | Neue Sicht auf Sucht

    Bei Belohnungserwartung aufgrund von Hinweisreizen kommt es im mesokortikolimbischen Belohnungssystem zu Dopamin-Peaks, es entsteht eine Art Tunnelblick auf Suchtmittel-assoziierte Hinweisreize und in einem Circulus vitiosus steigt nach dem gestillten Verlangen durch Suchtmittelgenuss die Präferenz dafür immer weiter an.

    Die neurobiologischen Mechanismen, die zur Suchterkrankung führen, sind adaptiv und deshalb auch korrigierbar, etwa durch ein Expositionstraining mit Neustrukturierung der rückfalltriggernden Reize.

    Der Rückgriff auf individuelle Patientenressourcen als systematisch eingesetztes Therapiemodul erhöht die Aussicht auf eine nachhaltige Gesundung.

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Für die Praxis

  • Die inflammatorische Hypothese der Depression und Demenz

    Ein dauerhaft aktiviertes Immunsystem und unkontrollierte Entzündungsreaktionen können für Depressions- und Demenzprozesse kausal sein.

    Die antiinflammatorischen und antioxidativen Effekte von Omega-3-Fettsäuren und Curcumin erweitern unsere Therapiemöglichkeiten.

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  • Autismus-Spektrum-Störungenim Erwachsenenalter

    Vermutliche Ursachen für Prävalenz-Zunahme: u. a. zunehmendes Alter der Eltern, besseres Überleben von Frühgeborenen, besseres Screening und Diagnose, modifizierte Klassifikation und möglicherweise auch Umweltnoxen.

    Unter den Risikofaktoren zuvorderst Heritabilität. Risiko ausgeschlossen für: Impfungen, Kaiserschnitt, Alkoholkonsum der Mutter, Erziehungsfehler.

    Diagnostik-Goldstandard: diagnostisches Interview für Autismus in der revidierten Form (ADI-R) sowie die Diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen (ADOS-2).

    Abgesehen von medikamentöser Therapie der Begleitsymptomatik und Komorbiditäten haben diverse verhaltenstherapeutische Methoden die beste Evidenz (Frühförderung so früh wie möglich und nur durch Expertinnen und Experten!).

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