Editorial 4/21

Liebe Leserinnen und Leser!

Die vorliegende Ausgabe von SPECTRUM Urologie befasst sich mit einem wichtigen Thema: dem Tumorboard. Gerade angesichts der immer rascheren Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse wird die onkologische Therapie immer individueller, und man kann bereits getrost von einer personalisierten Behandlung einzelner Patientinnen und Patienten sprechen. Diese Behandlungen werden immer komplexer, und gerade deshalb ist eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit unverzichtbar.

Obwohl die Uro-Onkologie auch in Zeiten der Coronapandemie weitgehend unbeeinträchtigt geblieben ist, hat diese auch hier ihre Spuren hinterlassen und bestehende Versorgungsmängel und Strukturschwächen gnadenlos zutage gefördert. Es wird Zeit, sich diesen Fragen zu stellen und Gesundheit in Österreich neu zu denken. Wir müssen uns angesichts der zu erwartenden gesundheitlichen Herausforderungen durch Pandemien, Umweltverschmutzung und die zunehmende Überalterung der Bevölkerung Gedanken machen, wie wir die Versorgung der Menschen in unserem Land künftig gestalten müssen, um die Medizin am Stand des Wissens zu gewährleisten. Mit Einsparungen wird man sicher nicht den richtigen Weg beschreiten, zumal die Gesundheitsbranche zu den wenigen krisenfesten und wachsenden Wirtschaftsbereichen gehört!

Bestimmt werden auch in der Gesundheitspolitik diesbezüglich Konzepte gewälzt, aber ebenso bin ich mir sicher, dass diejenigen, die dann die Arbeit tun müssen, im Vorfeld am wenigsten befragt werden. Das hat uns zumindest die Vergangenheit gelehrt. Dabei ist die Besetzung der Leitungspositionen mit kompetenten Ärztinnen und Ärzten entscheidend. Offenbar hat man sich in der Vergangenheit darauf beschränkt, willfährige Erfüllungsgehilfen mit möglichst passender politischer Couleur in die Ämter zu hieven. Doch dieser Weg ist, wie bereits an vielen Beispielen erkennbar, zum Scheitern verurteilt. Ganz abgesehen davon, dass dadurch – und durch die derzeitige Gesetzeslage – das akademische Karrieremodell weitgehend gescheitert ist. Ein Abteilungsleiter ist nur noch Erfüllungsgehilfe und weitgehend machtlos. Wer sollte sich dann noch habilitieren, um sich damit für höhere Weihen vorzubereiten?! Die Forschung bleibt damit natürlich ebenfalls auf der Strecke.

Es gäbe also eine Reihe von Aufgaben abzuarbeiten, und es steht zu hoffen, dass sich die neu gebildete Regierungsmannschaft dieser Probleme annimmt und endlich valide Konzepte auf den Tisch legt, die auch umgesetzt werden. Die nahe Zukunft wird uns zeigen, ob das der Fall sein wird oder ob wie bisher weitergewurschtelt wird. Dennoch werden die oben geschilderten Herausforderungen die Versorgungssituation weiterhin – und vermutlich noch verstärkt – unter Druck setzen. Deshalb ist Agieren mit Sicherheit zielführender als bloß zu reagieren. Das werden gewiss auch die Wählerinnen und Wähler so sehen.

Gleichwohl wünsche ich Ihnen mit SPECTRUM Urologie eine spannende Lektüre für die hoffentlich erholsamen Feiertage – und bleiben Sie gesund!

Ihr

Dr. Karl Dorfinger

AutorIn: Dr. Karl Dorfinger

bvU-Präsident


SU 04|2021

Herausgeber: Dr. Karl Dorfinger, Prim. Dr. Wolfgang Loidl
Publikationsdatum: 2021-12-15