Doch halt, die ästhetische Dermatologie ist mehr!

Schönheit ist nichts Oberflächliches (Sophia Loren). Aber: sie teilt sich oft über unsere Oberfläche – die Haut – mit. Die Schönheitsrelevanz der Haut scheint überall auf unserem Planeten anerkannt zu sein. Dies, obwohl doch die Wissenschaft ansonsten nicht müde wird, zu unterstreichen, dass die Vorstellung von „Schönheit“ kulturell geprägt und damit höchst relativ ist. Forschungsergebnisse der Psychologie der Ästhetik zeigen: die Haut ist anders. Denn über alle kulturellen Vorprägungen hinweg scheint es eine klare ästhetische Präferenz für eine glatte, reine, und eben gesunde Haut zu geben.

So kann es nicht erstaunen, dass die ästhetische Dermatologie einen Siegeszug angetreten hat. Gleichzeitig wird sie mancherorts missverstanden als ein diffuses Sammelsurium aus Botulinumtoxin und anderen injizierbaren Materialien, wirtschaftlichen Interessen, einer „Medizinisierung“ eines zunehmenden Schönheitswahns oder einer klinisch unterfütterten, aber medizinisch nicht indizierten Altersbekämpfung. Doch halt, die ästhetische Dermatologie ist mehr. Nicht nur ist sie mittlerweile ein wichtiger Bestandteil unseres Faches geworden, sie ist durchaus auch eine ernsthafte medizinische Disziplin, wie sich ja auch im Ausbildungskatalog zur Fachärztin/zum Facharzt für Dermatologie widerspiegelt. Fragen der ästhetischen Dermatologie gehen über reine Äußerlichkeiten weit hinaus. Nicht umsonst bedeutet das altgriechische Wort aísthēsis nicht nur „Wahrnehmung“, sondern auch „Empfindung“. Die ästhetische Dermatologie dient also dem Wohlgefühl unserer Patientinnen und Patienten und beschäftigt sich durchaus mit Leiden und Fragen die „unter die Haut gehen“.

Am Ball bleiben

Als Dermatologen sind wir gefordert, am Ball zu bleiben und diesen stetig auf neuestem Stand in der Luft zu halten. „Wer aufhört, besser zu werden, hört auf, gut zu sein“ (Oliver Cromwell) – das gilt insbesondere auch in der ästhetischen Dermatologie. Relevante Updates sind ein Muss, auch für niedergelassene Dermatologinnen und Dermatologen. Deshalb dieses Heft, das in seinem Umfang SARS-CoV-2-bedingt zwar schmäler ausfällt als es uns ursprünglich vorschwebte. Dennoch finden Sie hier neueste Informationen zu Erkrankungen, die in jedem Lebensalter zu ästhetischer Einschränkung führen können. Die Autorinnen bieten praxisnahe Einsichten, die auch im niedergelassenen Bereich gut verwertbar sind.
In einem Beitrag zur aktinischen Keratose (AK) geht Univ.-Prof. Dr. Daisy Kopera der Frage nach, ob die frühestmögliche Behandlung der AK bereits im subklinischen Stadium manifeste AK und Platten­epithelkarzinome verhindern kann. Frau Dr. Ulrike Just beschreibt die Anwendung von Lasersystemen in verschiedensten Indikationen der Dermatologie. Dazu zählen Gefäßveränderungen, Epilation, Pigmentierungen und Tattoos, Narben, Falten, entzündliche Dermatosen u. v. m.

Weitere Beiträge widmen sich den neuesten Erkenntnissen zur Rosacea und ihrer Therapie sowie dem mit starkem Leidensdruck behafteten Problem des weiblichen Haarverlusts. Schließlich wagen wir in diesem Heft auch einen Blick über den medizinischen Tellerrand: Frau Dr. iur. Katharina Langer habe ich um einen Aufsatz zu rechtlichen Haftungsfragen gebeten, da wir uns in den nächsten Jahrzehnten sicher auch zunehmend mit diesem Thema auseinandersetzen müssen.

Alles in allem ein schlankes, aber relevantes Lesepaket für alle im Bereich der ästhetischen Dermatologie tätigen bzw. am Thema interessierten Ärztinnen und Ärzte!

AutorIn: Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Julia Valenčak

Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Wien

Foto: feelimage/Matern


SD 03|2020

Herausgeber: Ao. Univ.-Prof. Dr. Christoph Höller, Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Constanze Jonak, Ao. Univ.-Prof. Dr. Rainer Kunstfeld, Universitätsklinikfür Dermatologie, Wien; Univ.-Prof. Dr. Hubert Pehamberger, Wien
Publikationsdatum: 2020-09-24