Resurfacing in der ästhetischen Medizin: Needling

In der ästhetischen Medizin kann Microneedling (MN) zur Behandlung von Falten und Narben sowie auch zur Hautstraffung und Verjüngung angewendet werden.1–4 Darüber hinaus finden MN-Geräte­ ihren Einsatz auch in der Behandlung von Striae distensae, Pigmentstörungen und Haarausfall.
Schwerpunkte der Anwendung des MN waren anfangs zunächst die Behandlungen von Akne- und Verletzungsnarben sowie auch Dehnungsstreifen. Die guten Behandlungsergebnisse haben aber schnell dazu geführt, dass das Indikationsspektrum ausgeweitet wurde. Diese einfache und sichere Methode wird in der Praxis inzwischen häufig genutzt. Zahlreiche Studien haben die guten Erfahrungen bei einer ganzen Reihe von Indikationen bestätigt.
Ein großer Vorteil beim MN liegt in den geringen Nebenwirkungen und der recht kurzen Ausfallzeit bis zur Gesellschaftsfähigkeit nach der Behandlung. Im Vergleich zu Peelings oder Laserbehandlungen kann MN auch bei dunkleren Hauttypen problemlos angewandt werden.

Wirkungsweise

Initial wurde MN als Verfahren beschrieben, welches die Qualität der Haut durch eine Stimulierung der Kollagensynthese verbessert bzw. durch Reorganisation der Kollagene (zu Beginn mehr Typ-III-Kollagen, welches dann später durch Typ I ersetzt wird) fördert und dadurch zu einer Verbesserung der Hautbeschaffung führt. Durch dieses Mikrotrauma, erzeugt durch die multiplen Nadelstiche beim MN, wird nämlich eine umschriebene „Entzündungsreaktion“ ausgelöst, welche bekannte Faktoren aus der Wundheilung, inkl. Fibroblast Growth Factor (FGF), Platelet-Derived Growth Factor (PDGF) sowie Alpha und Beta Transforming Growth Factors (TGF-α und TGF-β), freisetzt.
Der derzeit bekannteste Vertreter der MN-Geräte ist der Dermaroller® (Abb. 1); das System von multiplen Nadeln auf einer Trommel wurde initial von Fernandes beschrieben.1

Die neuesten MN-Geräte sind elektrisch angetriebene Hochfrequenz-Geräte (Abb. 2) mit auswechselbaren sterilen Einmalnadeln. Von Vorteil ist hierbei, dass man die Eindringtiefe sowie Frequenz der Oszillation während der Behandlung adaptieren kann; es sind somit variable Eindringtiefen zwischen 1 und 3 mm möglich.

 

Zu unterscheiden ist zwischen dem Needling für die Wirkstoffeinschleusung, dem Medical Needling und dem Surgical Needling im Rahmen der Narbenbehandlung. Je nach Indikation müssen die korrekten Eindringtiefen beachtet werden.

Indikationen

In den letzten Jahren wurde in zahlreichen Studien und Fallberichten über den Einsatz von MN in der ästhetischen Medizin für die Behandlung von Falten und Narben sowie über den Einsatz zur Hautstraffung und Verjüngung berichtet.4 Über die Grenzen der ästhetischen Behandlungen hinaus finden MN-Geräte seit Neuestem ihren Einsatz in der Behandlung von Striae distensae, Pigmentstörungen sowie auch bei Haarausfall.5, 6 Derzeit gibt es jedoch nur relativ wenige prospektiv randomisierte Studien. Eine der rezentesten Anwendungsempfehlungen kommt von Alster und Graham (Tab.).6

 

 

Der hautstraffende Effekt und die sichtbare Verbesserung von Falten sowie die Verjüngung der Haut wurde bereits beschrieben.7, 8 Eine Studie von El-Domyati et al. zeigte einen signifikanten Anstieg der Synthese z. B. von Kollagen Typ I sowie eine Umsatzsteigerung an Tropoelastin; diese Neuproduktion von elastischen Bestandteilen der Dermis sowie die Reorganisation von Kollagen führten zu einer signifikant verbesserten Straffung der Haut nach 6 MN-Behandlungen.9 Wichtig ist jedoch, dass es nach dem MN zu einem zeitverzögerten Wirkeintritt kommt; erklärt wird dies dadurch, dass es dauert, bis die ausgelöste Wundheilungskaskade zu einer Neuorganisation der Hautbestandteile führt. Somit muss man Patienten mitteilen, dass die endgültigen Effekte der Behandlungen erst nach zwei Monaten sichtbar werden. Behandlungen sollten jedoch in 2- bis 4-wöchigen Abständen durchgeführt werden, da hier immer wieder die Regeneration der Haut stimuliert wird, ohne dass es zu einem Abflachen der Regenerationskaskade kommt.

Aknenarben, welche primär atrophe bzw. hypotrophe Narben sind, können ebenfalls mit Hilfe von MN verbessert werden.10 Histologisch konnte in der von El-Domyati et al. durchgeführten Studie ein vermehrter Anteil von Kollagen Typ I gemessen werden.10 Cachafeiro et al. verglichen MN mit einem fraktionierten Erbium-Laser bei Aknenarben11; sie konnten bei 46 Patienten zeigen, dass sowohl der Erbium-Laser (1.340 nm) als auch MN eine vergleichbare Verbesserung der Narben erreichen konnten; MN hatte jedoch weniger Nebenwirkungen und wurde von den Patienten besser toleriert.
Aust et al. zeigten in einer Fallserie, dass Striae distensae durch eine einzelne Behandlung von MN signifikant reduziert werden konnten.12 Park und Kollegen konnten ebenso eine deutliche Verbesserung der Erscheinung von Striae distensae durch MN beschreiben.13
Ein großer Vorteil von MN bei der Behandlung von Narben und Striae distensae ist, dass man einen weichen fließenden Übergang zu den nichtbehandelten Hautarealen hat; es entstehen durch MN keine sichtbaren Behandlungsgrenzen.

Hyperpigmentierung bzw. Melasmen gehören zu den Pigmentstörungen, welche gerne auch als Altersflecken bezeichnet werden. MN zeigte in Studien, dass es eine fördernde Wirkung auf die transdermale Aufnahme von lokalen „Bleichmitteln“ wie Tranexamsäure hat und eine Kombinationstherapie der alleinigen Behandlung mit Tranexamsäure deutlich überlegen ist.14, 15

Needling – mehr als Kosmetik

MN ist eine vielversprechende Technologie, nicht nur für kosmetische, sondern auch für therapeutische und diagnostische Anwendungen.

Im Rahmen der therapeutischen Anwendungen kommt MN beispielsweise bei der Applikation von Wirkstoffen und Arzneimitteln zum Einsatz. Einige rezente Studien konnten zeigen, dass es infolge von MN zu einer verbesserten Aufnahme und Wirkung topisch applizierter Substanzen kommt. Derzeit wird gerade in diesem Bereich sehr viel in Richtung Forschung und auch Produktentwicklung unternommen. Für die unterschiedlichen Einschleusungsanwendungen stehen verschiedene Nadelsysteme zur Verfügung bzw. befinden sich im Entwicklungsstadium (Abb. 3).

 

Ein neues Anwendungsgebiet von MN stellt z. B. die androgenetische Alopezie dar. In rezenten Arbeiten zeigte sich, dass MN die transdermale Aufnahme von 5%igem Minoxidil signifikant steigert und die Kombinationstherapie zu einem stärkeren Haarwuchs im Vergleich zur Kontrollgruppe (Minoxidil als topische Behandlung alleine) führte.15 Eine weitere Studie verwendet MN als Basistherapie und verglich die topische Minoxidil-Therapie mit einer systemischen Finasterid-Therapie; beide Gruppen zeigten einen vermehrten Haarwuchs und eine Zunahme an Haardicke.16

Resümee

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich das Mikroneedling (MN) in den vergangenen Jahren als einfache, sichere und effektive Behandlungsmethode in der Dermatologie und in der plastischen Chirurgie etabliert hat.

 

1 Fernandes D, Oral Maxillofac Surg Clin N Am 2005; 17(1):51–63, vi
2 Aust MC et al., Clin Exp Dermatol 2010; 35(4):437–9
3 Aust MC et al., J Plast Reconstr Aesthetic Surg 2011; 64(1):97–107
4 McCrudden MTC et al., Exp Dermatol 2015; 24(8):561–6
5 Iriarte C et al., Clin Cosmet Investig Dermatol 2017; 10:289–98
6 Alster TS et al., Dermatol Surg 2018; 44(3):397–404
7 Fabbrocini G et al., J Dermatol Treat 2012; 23(2):144–52
8 Lee HJ et al., Ann Dermatol 2014; 26(5):584–91
9 El-Domyati M et al., Int J Dermatol 2015; 54(12):1361–9
10 El-Domyati M et al., J Clin Aesthetic Dermatol 2015; 8(7):36–42
11 Cachafeiro T et al., Dermatol Surg 2016; 42(2):232–41
12 Aust MC et al., Plast Reconstr Surg 2010; 126(4):219e–220e
13 Park KY et al., Dermatol Surg 2012; 38(11):1823–8
14 Escobar-Chávez JJ et al., J Clin Pharmacol 2011; 51(7):964–77
15 Budamakuntla L et al., J Cutan Aesthetic Surg 2013; 6(3):139–43
16 Dhurat R et al., Indian J Dermatol 2015; 60(3):260–3
AutorIn: Dr. Paul Wurzer, MMedSci

Klinische Abteilung für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für ­Chirurgie, Medizinische Universität GrazCOREMED – Kooperatives Zentrum für Regenerative Medizin, JOANNEUM RESEARCH Forschungs­gesellschaft mbH, Graz


AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz, MSc

Klinische Abteilung für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für ­Chirurgie, Medizinische Universität GrazCOREMED – Kooperatives Zentrum für Regenerative Medizin, JOANNEUM RESEARCH Forschungs­gesellschaft mbH, Graz

Foto: M.-M. Kanizaj


SD 04|2018

Herausgeber: Ao. Univ.-Prof. Dr. Christoph Höller, Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Constanze Jonak, Univ.-Prof. Dr. Rainer Kunstfeld, Univ.-Prof. Dr. Hubert Pehamberger
Publikationsdatum: 2018-11-22